Hymnus auf Schiller

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Ludwig Eichrodt: Hymnus auf Schiller (1859)

1
Wer wird nach Klopstock fragen,
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So lang der Schiller geht,
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Wer sich mit Platon plagen,
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Den Niemand nicht versteht;
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Komm' Einer her, was will er,
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Er findet es im Schiller.

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Das Menschenherz zu rühren,
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Gelang ihm früh und spat,
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Man kann es deklamiren,
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Was er gerichtet hat.
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Des Lebens höchste Zieler
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Erflog der muth'ge Schiller.

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Niemals in frechen Scherzen
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Verletzt er die Moral,
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Ihm ging ja stets zu Herzen
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Das große Ideal.
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Kein Mensch war difficiller
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Als seiner Zeit der Schiller.

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Auf allen seinen Blättern
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Ist Tugend und Geduld,
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Und an den griech'schen Göttern
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Ist mehr der Göthe schuld.
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Denn immer zeigt als Stiller.
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Sich der erhab'ne Schiller.

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Zwar manchmal wollt' er weichen
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Vom rechten Pfad abseits,
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Doch kroch er dann desgleichen
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Auch wieder gern zum Kreuz.
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Und nicht um's Leben fiel er
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Vom lieben Gott ab, Schiller.

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Daß er das Laster haßte,
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Zeigt deutlich Karl von Moor,
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Mit Bürgerglück nicht spaßte,
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Kommt im Fiasko vor.
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Doch war er gar kein Wühler
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Der edelherz'ge Schiller.

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In der Kabal' und Liebe
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Merkt man, was ehrbar ist,
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Der Freundschaft hohe Triebe
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Man in Don Carlos liest.
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Den Posa und den Miller
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Erfindet nur ein Schiller.

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Die Religion vergöttert
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Er in der Jungfrau hell,
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Die Tyrannei verwettert
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Er kühn im Wilhelm Tell.
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Ein Scheußlichkeitsverhüller
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War niemals Friedrich Schiller.

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Die Wunder seines Geistes
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Im Räthsel ich erblick';
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Die Glocke ist, so heißt es,
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Ein wahres Meisterstück.
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Und selbst der Doktor Brüller
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Schreibt ab aus seinem Schiller.

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Des Schicksals dumpf Getöse
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Bricht in der Braut herein,
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Und als gefall'ne Größe
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Warnt uns der Wallenstein.
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Denn keinen rothen Heller
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Gibt auf den Ehrgeiz Schiller.

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Und die Maria Stuart
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Nimmt auch kein gutes End,
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Schon darum dürft' in Stuggart
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Besteh'n sein Monument,
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Deß fürstlicher Enthüller
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Entschädigt hat den Schiller.

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Getilgt sind seine Schulden!
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Und Cotta obenan
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Hat mit viel Tausend Gulden
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Die Kinder abgethan.
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Ach, Mezger oft und Müller
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Verklagten ehmals Schiller!

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Doch jetzt ist er im Himmel
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Und jetzt geht es ihm gut,
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Wo er vom Weltgetümmel
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Auf einem Lorbeer ruht.
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War Einer bräver, stiller
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Als der bescheid'ne Schiller?

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Die eingefall'nen Backen
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Schwillt jetzt ein Zephyr an,
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Von vorn und hinten packen
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Ihn große Männer an.
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Stets lichter und stets heller
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Verklärt sich unser Schiller.

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Deß freu'n sich alle Menschen,
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Die für das Gute sind,
87
Und Böses kann ihm wünschen
88
Nur wer ihn gar nicht kennt.
89
Denn Schlegel blos und Kriller
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Mißhandeln unsern Schiller.

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Sein Fürst verstand ihn besser,
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Da herrscht nur
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Er macht ihn zum Professer
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Und gab den Adel ihm.
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Drum mit dem höchsten Triller
96
Schließ' ich mein Lied auf Schiller.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Eichrodt
(18271892)

* 01.01.1827 in Durlach, † 01.01.1892 in Lahr/Schwarzwald

männlich, geb. Eichrodt

deutscher humoristischer Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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