Zur Enthüllungsfeier des Christian Maier'schen Denkmals

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Ludwig Eichrodt: Zur Enthüllungsfeier des Christian Maier'schen Denkmals (1859)

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Heil! der Mitwelt ist gelungen
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Was die Vorwelt kaum gedacht,
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Aus der finstern Grabesnacht,
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An dem städt'schen Wassergraben
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Zum Genuß dem ganzen Land,
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Er, der Größte, den wir haben
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Aus dem Deputirtenstand!

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Ausgezeichnet war sein Wirken,
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Wie er selbst auch in Person,
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Dieses kann gottlob verbürgen,
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Von dem Staat das Lexikon,
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Welches wirklich überschüttet
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Ihn mit beispiellosem Preis,
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Und, obschon er sich's verbittet,
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Dennoch es zu schätzen weiß.

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So besonders in der Kammer
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Seine Reden klein und groß,
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Wo er für des Volkes Jammer
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Zog auf die Regierung los;
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Doch sie konnten ihn nicht leiden,
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Weil er Alles sagte grad,
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Mußten ihn jedoch beneiden
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Wegen seiner großen Schwad.

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Niemand hat sich so erprobet,
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Als des Fortschritts edler Sohn,
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Und mit solcher Wuth getobet
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In der Opposition,
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Darum ward ihm auch genommen
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Seine schöne Professur,
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Und um den Verdienst gekommen
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Ist er fast durch die Censur.

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Gleichwohl wußt' er brav zu fristen
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Weib und Kind die Existenz,
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Niemals ließ er sich gelüsten
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Ordensstern und Excellenz,
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Lieber krank an Leib und Seele
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Und mit
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Fiel der Mann von seiner Stelle,
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Als von seinem Grundsatz ab.

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Kurz und gut, sein hohes Streben,
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Galt dem Volke ganz allein.
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»lieber«, sprach er, »gar nicht leben,
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Als ein Bureaukrat zu sein,
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Denn von den servilen Tröpfen
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Hab' ich stets mich abgewandt,
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Lieber hängen mich und köpfen
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Für das deutsche Vaterland!«

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Und er wich von seinem Pfosten
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Nie zu seiner eig'nen Schand,
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Hat auf seines Herzens Kosten
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Nie gebildet den Verstand.
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Jede Zeitung, jede Zone
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Richtet' sich nach seiner Uhr,
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Destowen'ger nichts der Krone
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Rieth er stets zum Besten nur.

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Darum auch so viele Essen,
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Hielt man diesem Mann zum Dank,
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Darum hat er auch besessen
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Einen großen Nußbaumschrank,
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Einen Schrank mit Glas, darinnen
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Er die Becher aufbewahrt,
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Die, zu ehren sein Beginnen,
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Sich das Volk am Mund erspart.

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Lang schon hätt' es sich gehöret,
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Und wahrhaftig nicht erst jetzt,
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Daß, was Jeder heiß entbehret,
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Daß ein Denkmal ward gesetzt,
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Länger
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Und so kam man alsgemach,
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Wie das Bildniß kann bezeugen,
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Dem Bedürfniß wirklich nach:

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Nein! ein Mann, wie Der gewesen,
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Findet sich nicht alle Tag,
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Was man auch von andern Größen
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Unbegreiflich's sagen mag!
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So ein Mann, ein vielgeplagter,
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So gemein und grundgescheidt,
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So ein Mann von
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Und von

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Doch er ist nicht ausgestorben,
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Denn er lebt im Denkmal fort,
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Das er sich mit
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Auf mein heilig Ehrenwort!
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Denn er lebt in seinen Söhnen
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Und in unsern Herzen noch,
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Darum laßt zum Schluß ertönen
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Ihm ein dreifach

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Eichrodt
(18271892)

* 01.01.1827 in Durlach, † 01.01.1892 in Lahr/Schwarzwald

männlich, geb. Eichrodt

deutscher humoristischer Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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