Ein verlorener Gesang aus Amaranth

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Ludwig Eichrodt: Ein verlorener Gesang aus Amaranth (1859)

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Herr Walther wallt im Walde
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Mit Hermelin verbrämt,
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Sein Hüfthorn schallte balde
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So süß und so verschämt.
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Am Seidensammtbarette
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Die goldene Trottel rankt,
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Und über'm Amulette
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Die Reiherfeder schwankt.

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Es schlägt in reiche Falten
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Der Purpurmantel sich,
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So trutzig ritterlich;
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Beperlt, besteint, bebändert,
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Schaut er sich sinnend an,
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Wer hat dich so verändert,
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Du deutscher Rittersmann?

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Er
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Und richtet dann sich auf,
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Unt beugt sich tiefer wieder,
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Die Hand
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Die sanfte Locke schmieget
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Sich kindlich um sein Ohr,
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Und eine Thräne
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Sich aus der Wimper vor.

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Und aus der Ferne nahen,
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Auf stolzem blankem Roß,
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Die feuchten Augen sahen
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Gismund mit keckem Troß.
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»gib mir mein Koller wieder,
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Gib mir mein stählern Hemd!«
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So ruft er treu und bieder,
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So spricht er stolzzergrämt.

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»wenn meine Ahnen wüßten,
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Wie ich verweichlicht bin,
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Sie knirschten: einem
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Kommt solcher Tand zu Sinn?«
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Und vor der Herrin Füßen
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Wirft Ketten er und Tracht,
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Die blauen Augen fließen –
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Gismund? Gismunde lacht:

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Was faselst du von Christen,
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Bist du noch so bornirt?
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Von des Gefühls Gelüsten
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Noch nicht emancipirt!
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Schau' um dich, Herr der Erde,
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Die perlt im
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Es schmückt sich jede Börde –
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Du liebest Schmutzes Druck?

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Herr Walther schielt der Schönen
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In's feuersprüh'nde Aug' –
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Ihn überläuft ein Sehnen,
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Dem Sprosser gleich im Strauch.
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Er zittert mit der Linken
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Auf ihr Pilaster-Knie,
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Die Augen thäten im sinken,
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Er wußte selbst nicht wie.

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Doch plötzlich fährt er rückwärts,
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Und seufzt zum Himmel auf,
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Dann wieder kleidungsstückwärts,
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Das lag im Gras zu Hauf.
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Und den bebuschten Lippen
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Entfährt ein scharfes Wort,
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Und gen die Männerrippen

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»was nützet dir dein Prunken
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Im sprüh'nden Goldeslicht?
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Was alle Demant-Funken,
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Hast du die Demuth nicht?
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Du möchtest nur genießen,
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Zu aller Buße träg,
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Jetzt hab' ich's dir
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Du geh'st den falschen Weg!

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»o steig' vom eiteln Rosse
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Und wandle in's Gemach,
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Entsage diesem Schlosse
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Voll übermüth'ger Schmach;
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O sitze hin zur Spindel –
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Es ist nur um die Zucht –
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Verflucht sei aller Schwindel
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Und aller Stolz verflucht!

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»brich ab das Jagdvergnügen,
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Das dich so wild zerstreut,
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Laß uns in's Kloster biegen
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Und einmal
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Zwar hab' ich nichts dagegen,
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Daß man sich freut der Jagd,
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Doch ist mir d'ran gelegen –
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O sei mir treue Magd!«

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Er zieht ihr von dem Finger
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Den strahlenreichsten Ring,
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Den Lilienhaut-Umschlinger,
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An dem ihr Auge hing –
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Er schleudert ihn hinunter
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In Seees Grund und sagt:
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»hier roste, schnöder Plunter,
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Du sei mir treue

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Und hellauf zuckt ein Lachen
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Durch's wälsche Angesicht,
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Sie spornet den Wallachen
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Und weilet länger nicht.
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Als wie ein Blitz geschwinde
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Hinschießt sie durch's Gehölz,
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Es bauschen sich die Winde
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In der Schabrake Pelz.

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Herr Walther starrt der Stolzen
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Mit stummem Vorwurf nach,
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Und der Verachtung Bolzen
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Dem Aug' entjagen jach.
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Er hat kein Wort gesprochen,
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Entwallet still zu Thal,
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Er ist in's
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Und weinet

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Da steht ihm gegenüber
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Und winkt mit weiter Hand,
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Und hauchet schnell vorüber
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Die süße Amaranth.
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Was mocht' er wohl da denken?
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Was floh' sie stumm davon?
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Mit Wehmuth ihn zu tränken
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Entschwand die Vision.

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Wohl sieht er stille stehen
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Beisammen Blumen zwei,
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Die eine kaum zu sehen,
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Die and're prunkend frei.
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Er wallt noch eine Miglie,
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Bis er frohlockend spricht:
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Kennst du die Sumpfeslilie,
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Und das Vergißmeinnicht?

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Was wallt er durch die Buchen
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Vorbei am Weiherstrand?
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Er scheint etwas zu suchen,
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Gefaltet Stirn und Hand.
131
Er
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Dort leuchtet Jesu Christ –
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Und danket seinem Gotte,
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Daß er kein Atheist.

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Die tiefsten der Gedanken (!)
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Durchzücken ihn wie Lied,
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Und Hochgefühle ranken
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Wie Eppich in's Gemüth.
139
Was er mit sich gesprochen,
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Das ist so geisteshehr,
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Was seine Pulse pochen,
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Das läßt sich

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Da zupft's ihn an der Kuppel
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Des treuen Ahnenschwerts,
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Und frägt mit kaltem Scrupel,
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Ob durstig auch sein Herz?
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Es war der Edelpage
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Mit der Genossen Schaar,
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Die zur Heremitage
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Still hergeschlichen war.

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Der hält die schwere Platte
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Voll köstlichen Confects,
153
Der reicht, geschliffen matte,
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Den Kelch und nickt: wie schmeckt's?
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Der Maitrank, Limonade,
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Der Glühwein, der Sorbet,
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Der prahlt mit praller Wade,
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Dem sitzt's so knapp und nett.

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Der nippt verstohl'ner Weise,
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Der spielt mit dem Geschmeid,
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Der zieht im Sande Kreise
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Mit Fußes Lichtigkeit.
163
Der äugelt mit der Schale
164
Von schillerndem Crystall,
165
Der schwenket Gluthpokale
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Und trotzet ihrem Fall!

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Herr Walther stiert und blicket
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Augschweifend in der Rund';
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Hat diese hergeschicket
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Zum Hohne mir Gismund?
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Mit nerv'ger deutscher Rechte
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Zertrümmt er das
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Und scheucht die feinen Knechte
174
Mit droh'ndem Schwertgeklirr'.

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Die flieh'n und kichern freche,
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Er aber bricht in's Knie,
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Und heiße Zährenbäche
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Enteilen ihm wie nie.
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Den Ellenbogen stützt er
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Auf
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Und in Gedanken schnitzt er
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In's Schnitzwerk Amaranth.

183
Was hört er draußen schallen
184
Waldvögelein so trüb?
185
Weh' euch, ihr eitlen Hallen,
186
Weh' deinem stolzen Lieb!
187
O, daß sie immergrünte,
188
Die Minne frommer Zeit,
189
Die, fern du aller Sünde,
190
Trugst vor der Waldesmaid!

191
Wo Berg und See sich schmiegen
192
Mit Sehnsucht ineinand,
193
Dort ließest jüngst du liegen
194
Auf heißem Schooß die Hand?
195
Gismundes Liebesheucheln
196
Es wußte, großer Gott!
197
Dir Gluthen abzuschmeicheln
198
Zu deinem eig'nem Spott?

199
Herr Walther biegt die Stirne
200
An einer Eiche Stamm,
201
Ueber die Alpenfirne
202
Sehnt er sich lobesam;
203
In ihren Eisenpanzer
204
Sehnt sich die bied're Brust,
205
Damit als Mann, als ganzer,
206
Er würde sich bewußt (!)

207
Er träumt von Waldesdüften
208
Und heil'ger Einsamkeit,
209
Epheudurchrankten Klüften,
210
Wildrosig überschneit.
211
Und eine Harfe schweben
212
Sieht er und geisterhaft
213
In leisen Klang verbeben:
214
In Wehmuth Leidenschaft.

215
Hoch über'm Schwarzeswalde,
216
Tiefgolden, emaillirt,
217
Entschwebte sie und hallte
218
Von Waldesduft berührt;
219
Und Hüfthorn, Orgel, Flöte,
220
Sie schwebten all' heran,
221
Die heilige Drommete,
222
Posaune laut voran.

223
Und Harfen über Harfen,
224
Violin und Violon,
225
Wie gaben sie so scharfen,
226
Erschütternd hehren Ton!
227
Es wallt die Tonkohorte
228
Wie Donner des Gerichts,
229
Und saget mehr als Worte –

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Eichrodt
(18271892)

* 01.01.1827 in Durlach, † 01.01.1892 in Lahr/Schwarzwald

männlich, geb. Eichrodt

deutscher humoristischer Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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