Der Mittwoch, eine dröstliche Hülsenblüthe

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Ludwig Eichrodt: Der Mittwoch, eine dröstliche Hülsenblüthe (1859)

1
Posaunen hauchen wilden Geisterlaut,
2
Dazwischen hürchelt banges Orgelstöhnen,
3
Leis wuchert bst! der Andacht Ginsterkraut –
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Da steh ich in dem Dom – umringt von Schönen.
5
Sie dort, die Blonde unter Kerzgeflimmer!
6
Ein einsam gramgeboren Frauenzimmer,
7
Sie zupft, ha! mit dem Finger, prickt und pocht
8
An der Laterne quirlendem Gedocht.

9
Und drüben an der schmerlegrausen Säul',
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Hohlhüstelnd ragt die schwimmelnde Matrone,
11
Der Blick des Auges schwärmt dahin, ein Pfeil,
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Ausschwirrend durch des Lebens Nachtschablone.
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Hi! Still! na! o, ich bin verloren,
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Zerrückt, zerknistert, gluthig angeschmoren,
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Was ist das, die Laterne spritzt und kocht –
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Auch sie zupft, zirpst am eignen Lebensdocht.

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Und Käuzchenschrei ruschelt mit Geierpfiff
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Wirr durch der Halle wimmerfahlen Brodem –
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Verfallenes Gemäuer, eingestürztes Schiff,
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Glockengebraus, Gespensterschwadenodem ...
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Und Mitternacht! Dann plötzlich Lichtgefunkel
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Da wälzet aus des Dienstags Trümmerdunkel
23
Der
24
Und säuselt Schauerluft in's linke Ohr.

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Hahu! regnet es nicht? Saugt nicht den Duft
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Des molchgesäugten giftiggelben Schwadens
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Natur? zückt greiser Blitz in wunde Brust,
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Verzweifelnd an dem Glücke des Entladens?
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Scheu flattert auf der Troß der Quazaquelen,
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Die Lampe schüttert lächelnd im Verschwehlen,
31
Die Damen knicken um, der Dolde gleich,
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Der Bräutigam entrispelt dem Bereich.

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Hui! ich erwach'! Des Traumes Vampyr flieht,
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Und schon an der Gardine zupfen Strahlen
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Der Morgensonne bst! Frohlock', Gemüth!
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Die Lerchen zitschern weg die lecken Qualen.
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Des Kummers feuchte Moderkatakombe
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Stürzt donnernd ein und nur die müß'ge Rombe
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Der glitzerhaften Qualerinnerung
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Schlirrt noch einmal – und du bliebst jung?

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Kling klar! Johann! Die schwarzen Schimmel vor!
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Spann an! wir fahren heut' noch durch die Haide,
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Dort, wo die Krähe duckt, die Kröt' im Moor,
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Dort soll versausen meiner Seele Freude.
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Lang ist der Tag – d'rum gleich der Wetterwolke
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Ausbrechen laß' die Bracken bis zum Kolke!
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Wie geigt die Grill' wie brodelt's im Gestumpf!
48
Sehr mangelt mir der Sitz ... hinaus zum Sumpf!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Eichrodt
(18271892)

* 01.01.1827 in Durlach, † 01.01.1892 in Lahr/Schwarzwald

männlich, geb. Eichrodt

deutscher humoristischer Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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