70
Nun durch verwaister Erbin Hand
71
Gebieter über Burg und Land,
72
Wünscht Dagobert den süßen Bund
73
Geweiht durch priesterlichen Mund,
74
Begehrt, von Minnedurst entflammt,
75
Des Bischof Burkhard heilig Amt.
76
Der spricht: Mein Sohn, die Kirche flucht,
77
Wenn frecher Frevel Segen sucht.
78
Dem Räuber wehrt sie den Altar,
79
Sie zürnt so lange Gott gekränkt,
80
Sie heischet Sühne durch Gefahr,
81
Bevor sie Schutz und Friede schenkt.
82
Zieh aus mit der bekreuzten Schaar,
83
Die früher nicht an Rückkehr denkt,
84
Als Gottes Grab der Feinde baar;
85
Zieh hin! und so im dritten Jahr
86
Der Himmel deine Schritte lenkt
87
Zur Heimath wieder wunderbar,
88
Sei neue Buße dir geschenkt,
89
Dann bring Gunilden zum Altar!
90
Der Bischof Burkhard rächte seinen Neffen ...
91
Der Bischof weiß zu tödten und zu treffen.
92
Des Neffen Hoffnung losch mit Gregor aus,
93
Der Bischof Burkhard rächt sein edles Haus –
94
Rächt hoffnungslos, denn Jener auch ist todt,
95
Ihn schlug der Zorn nach wilder Herzensnoth,
96
Da man ihm redet von der Brüder Sieg,
97
Fraß Fieber ihn, bis all sein Leiden schwieg.
98
Des Bischofs Harm gebiert des Hasses Witz;
99
Des Hasses Opfer trifft der Rache Blitz;
100
Es wirkt der Bann. Gunild, die schöne Braut
101
Dem Bruder Kuno wird sie anvertraut,
102
Behüten soll er sie bis Dagobert
103
Vom Bann entsühnt, geläutert wiederkehrt.
104
Doch wie wird Schönheit er bewachen?
105
Wird während also banger Hut
106
Ihr hoher Liebreiz nicht entfachen
107
In Kunos Busen böse Gluth?
108
Wird Kunos Herz der Lockung widerstehn,
109
Wird Dagobert die Braut einst wiedersehn?
110
Wird Mißgunst, Zwietracht nicht entbrennen,
111
Den Bruder von dem Bruder trennen?
112
Hat Bischof Burkhards Haß auch dies bedacht,
113
Als er sie hingab in des Jünglings Macht?
122
Und seine Braut sah Dagobert nicht mehr.
123
Der strenge Spruch raubt ihm ein letzt Gehör,
124
Weigert Umarmung, Kuß, und heißer Treu
125
Gelübd in liebe Hand zu legen,
126
Versagt, daß Lieb den heilgen Bund erneu,
127
Versaget Abschied auf der Trennung Wegen.
128
In stille Zelle schwankt der Ritter fort,
129
Des schlichten Klausners mildes Wort
130
Zu suchen, das ihn oft erbaut,
131
Weil mit Natur und Menschenherz vertraut.
132
Dort in der Wälder Gottesfrieden
133
Wohnt Weisheit, von der Welt geschieden,
134
Dort ist die Würde nicht, die straft und flucht,
135
Dort lebt die Liebe, die nach Herzen sucht.
136
Er tritt hinein – der Vater doch, der Freund
137
Liegt heut entseelt – nur karge Lampe scheint
138
Aufs Antlitz ihm – wein und verweil!
139
Hier starb der Trost, verwest das Heil.
156
Dem Bruder nur, dem theuren, er vertraut;
157
Er rettete, er schirmet nun die Braut!
158
Auf! wappne dich mit Stahl und frohem Muth,
159
Der Bruder ist kein Schelm, stets war er gut.
160
Ist er geprüft –? wozu, er ist wie ich;
161
Mit ihm wie oft verwechselten sie mich!
162
O Dagobert, du selbst so rein und klar,
163
Wie brächte Argwohn deinem Muth Gefahr?
164
Ein edler Sinn – ob unklug – hat doch Recht,
165
Auch Kuno fühlte so, und sein Gefühl war ächt.
166
Wer ahnt nach heitrer Tage Schein
167
Die Athmosphäre nimmer rein,
168
So lange doch kein Wölkchen steigt,
169
Die Ferne sich nur klarer zeigt,
170
Und tiefer nur des Himmels treues Blau,
171
Allmälig wandelt sichs in Grau.
172
Ein Windhauch, unbekannt woher,
173
Kaum fühlbar traf der Dünste Meer,
174
Das noch zuvor, durchsichtig ganz,
175
Der Sonne lieh nur reichern Glanz.
176
Jetzt wogt in Nebelwolken schwer
177
Der weite Himmel ringsumher.
178
Wie schwand der schöne Tag dahin?
180
Vorbei das Alles – über Berg und Thurm
181
Gesammelt schwebt der Wettersturm.
182
Zwei Sommer schon begrub Gunildens Gram,
183
Gunildens Hoffnung in Vergessenheit;
184
Der dritte Lenz bringt ihr den Bräutigam,
185
Das ist ja Trost in allem Leid.
186
Wie schön, in allem Leid, sie blieb!
187
Welch Feuer süßer Sehnsucht Trieb
188
Stets über Blick und Miene groß,
189
Dann ihren edeln Geist erschloß,
190
Und wie Gesang die Rede floß;
191
Wenn sie dahinschritt hehr und leicht,
192
Und lächelte, die Wimper feucht,
193
Wenn das holdselge Schwesterpaar
194
Schwermuth und Anmuth den Altar
195
Auf ihrer Stirne weihte, war
196
Kunos berauschte Phanthasie
197
Der Zügel und Beherrschung baar,
198
Und der Gefühle Aufruhr lieh
199
Ihr neue Flügel Jahr um Jahr;
200
Der Sturm in seines Busens Höhle,
201
Der das Gewissen überschrie,
202
Treibt an den Abgrund seine Seele.
203
Maßlose Mißgunst taucht empor –
204
Verfallen der Dämonen Chor
205
Ist, wer sein bessres Selbst verlor.
206
Scham, Würde, Schonung, Ritterpflicht
207
Kennt Kuno, der Bestrickte, nicht:
208
»sei mein, auf Monden nur sei mein,«
209
Stöhnt, bittet, droht, rast seine Pein.
210
Standhaftigkeit erschüttert ihn,
211
Macht wilder ihn, erbittert ihn,
212
Zorn, Haß, Verachtung, Abscheu jetzt
213
Strömt Kälte in die Brust zuletzt,
214
Die ehmals leicht bewegte Welt
215
Der Seele ist erstorben schnell,
216
Ein Stoß, sie starrt, sie wird zu Eis,
217
Spröd, hart und fühllos – Niemand weiß
218
Wie plötzlich das – so unbewußt
219
Reift Rauheit in des Jünglings Brust,
220
Verdruß besiegt den siechen Mann,
221
Er ahnt es kaum, und ist – Tyrann.
222
In Syriens Wüste irrt das Christenheer,
223
Der Mönch von Clairvaux eiferte nicht mehr.
224
Vom herrlichen Damaskus weggeschreckt,
225
Wird neue Streitglut nimmer ihm geweckt,
226
Geschlagen und zerstreut, von Gott verlassen,
227
Verwildern die bestürmten Völkermassen;
228
Nur Kaiser Konrad wankt nicht in der Noth,
229
Des Heeres Helden sammelt sein Gebot,
230
Zur Heimfahrt rüstet sich sein großes Herz,
231
Ein hoher Geist verwaiset nicht durch Schmerz.
232
Es schmachtet fern das Reich nach seiner Kraft,
233
Die bald Verrath und Abfall niederrafft,
234
Die nun als Leuchte leitet in der Nacht,
235
Und tapfern Mann zum übermüthgen macht.
236
So reiten sie durchs unwirthbare Land
237
Auf müden Rossen, Schwerter in der Hand.
238
Auch Dagobert weiß seinen Muth beseelt,
239
Den tiefre Wund als die durch Schwerter quält;
240
Sein wildes Elend blutet in der Stille,
241
Doch hält im Sattel ihn der trotzge Wille!
242
Gerüttelt ist ihm der Entbehrung Maß,
243
Daß traun vor Leid er Mangel längst vergaß.
244
Ihn jagt geheime Angst des Herzens, ihn
245
Spornt über Land und Meer ein Stachel hin,
246
Der üppig wächst und wühlt, genährt vom Born
247
Der Sehnsucht – ach, der Liebe Rosendorn!
248
Voraus dem Schwarm der Besten und Getreun,
249
Mag weder Reiz ihn noch Gefahr zerstreun.
250
Lockt nicht Achajas blaue Wasserflur,
251
Des wälschen Himmels seelentief Azur?
252
Ihn drückt, beklemmt der schöne Himmel nur.
253
Normännisch Ritterspiel es fesselt nicht?
254
Die Ehre nicht, der Männer Schmuck und Pflicht?
255
Verdorret auch sein thränenreicher Harm
256
Nicht an Siziliens glühenden Frauenblicken,
257
Und Romas Wunder will ihn nicht berücken,
258
Ist denn die Welt an Zaubermacht so arm?
259
Am Rheine dort, daß er nicht rasten mag!
260
Kein Kirchenfest, kein hoher Fürstentag,
261
Kein Hader der Parteien, kein brüderlich Gelag
262
Hält ihn zurück, der unaufhaltsam eilt,
263
Dahin, wo die Geliebte weilt,
264
Dahin, wo Hast und Harm des Herzens heilt.
265
Nach heißer Wandrung steht am Ziel,
266
In seiner Heimath Dagobert,
267
Noch lebt im Wald das alte Spiel
268
Der muntern Sänger, einst so werth,
269
Noch grünt so frisch der Wiesengrund,
270
Noch lacht die Flur, der Anger bunt,
271
Der Tannen Ernst, der Felsen Majestät
272
Faßt die gerührte Seele, weht
273
Friedreiche Stimmung ins Gemüth,
274
Bis ihm die Zähr im Auge glüht.
275
Werd ich die Braut auch wiedersehn?
276
Dich Stern in Wirrfal, klar und schön?
277
Dem ich wie der Pilot im Meer
278
Vertraute, voll der Wiederkehr,
279
Dich einzgen Trost dem wunden Mann,
280
Dich Führerin durch Nacht und Bann;
281
Geliebte Braut, werd ich dich schaun,
282
Huldreicher Ruhm und Preis der Fraun!
283
Soll, Stern, verkümmert dir dein Licht,
284
Sollst du erloschen sein, ich trüg es nicht.
285
Soll all der Kampf, die Gluth, die Pein
286
Umsonst, ziellos gewesen sein?
287
Ich trüg es nicht. Jetzt fern der Noth,
288
Erloschen du – dies nur mein Tod!
289
Als über des Gebirges Kamm
290
Der Sonne Feuerball nun schwamm,
291
Und abentheuerliche Züge
292
Um flüchtge Wolken wundersam
293
Der Abend schrieb mit goldner Schrift
294
– Ein Sinnbild gleißnerischer Lüge –
295
Als tiefe Schatten auf die Trift
296
Sich senkten, schritt zum Schloß hinan
297
Der Held, ein Pilger angethan.
298
Lauttosend und geräuschvoll schallen
299
Die Tritte durch die weiten Hallen,
300
Graunhafte Stille birgt der Ort,
301
Kein Gruß, kein gastlich Menschenwort,
302
Wohl rostet in den Gängen hin
303
Gewaltger Waffen manche dort,
304
Manch gute Rüstung, dran Gespenster
305
Um Mitternacht vorüberziehn,
306
Sprüht durch die farbgen Bogenfenster
307
Unheimlich Feur in Mondenhelle,
308
Sich scheu bewegend von der Stelle.
319
Wenn Ingrimm über Arglist schäumt,
320
Wird schlaflos wohl die Nacht durchträumt.
321
Die Nacht, die Schlummer einst gebracht,
322
In Qual und Brüten jetzt durchwacht,
323
Die Nacht war um, doch Frühlicht schien
324
Nur spärlich auf das Gitter hin,
325
Wie Rosen nicht, die Freuden künden,
326
So quälend düster war die Gluth,
327
Und leuchtet doch – tagscheu Empfinden
328
Weckt sie wie frischvergossen Blut!
329
Vergebens dann winkt auch der Tag mit Licht,
331
Der sonst Geduld und Sanftmuth leihen mag,
332
Das Mißtraun wuchert, Unruh reift
333
Zur Wuth, bis Hohn das Herz ergreift,
334
Und bittres Lachen wild erschallt,
335
Vom hämschen Echo nachgelallt;
336
Die Wände knirscht er an, es schleicht
337
Entsetzen her, bis dies auch weicht,
338
Bis Schmerz und Trübsal ihn läßt stumm –
339
In ihm Verödung und ringsum.
340
Wohl ausgeklügelt war der Plan,
341
Und sein Gelingen nun kein Wahn.
342
Verbrecherischen Anschlags voll
343
Die schnöde Seele Kunos schwoll,
344
Seit jener Stunde, da Gunild
345
Sich wehrte mit des Spottes Schild,
346
Ohnmächtig doch, zu fliehn die Schmach,
347
Sich fern im einsamen Gemach
348
Des Hüters Aug verborgen hielt,
349
Der auf Gewaltthat schon im Stillen
350
Gesonnen, die entschlossne Maid
351
Zu unterwerfen seinem Willen,
352
Zu rächen sich an Weibergrillen
353
Für diese Zeit und alle Zeit.
354
Da wars, daß aus der Wächter Troß,
355
Die täglich spürten um das Schloß,
356
Ihm unerwartet Kunde schallt,
357
Es irre Dagobert im Wald,
358
Als rauher Pilger angethan –
359
Doch Häscher kennen ihren Mann.
360
Wie? lähmt der Schreck des Schlauen Hirn,
361
Ist Etwas, ihn auch zu verwirrn?
362
Der Vorbereitete erblaßt,
363
Dem, ohne Ruhm, Gefahr verhaßt,
364
Der einst ein ritterlicher Held
365
Muthlos in eigner Schlinge fällt;
366
Ein finster Thun, voll Schadenlust,
367
Sät still in sorgenschwere Brust
368
Der Furcht geheimen Samen aus,
369
Deß wird sich Kuno heut bewußt,
370
Und dies Gefühl ist Seelengraus.
399
Und vor die hehre Dulderin
400
Tritt ohn Erröthen Kuno hin;
401
Vergeudet der Verführung Ton,
402
Wo er schon wagte Schmach zu drohn.
403
Auf seiner finstern Braue sitzt
404
Verrath und Wollust, roh verschmitzt,
405
Die Geister, voll verruchter Launen,
406
Die, was er spricht, ins Ohr ihm raunen:
407
»gunilde, Wittwe tugendsam,
408
Braut ohne Freud und Bräutigam,
409
Bangst unter der Entbehrung Joch,
410
Und harrst und hoffst, Gunilde, noch!
411
Wohl Sünde ist, sein Pfund vergraben;
412
Dein Pfund ist Schönheit, du verscharrst
413
Der süßen Reize Gottesgaben,
414
Da du in Thorheit hoffst und harrst.
415
Schon ist der dritte Lenz entflohn,
416
Und doppelt ward die Kunde schon
417
Vom Untergang der Glaubenshelden.
418
Wer soll die frohe Botschaft melden?
419
Und, lebt er auch, der nie war scheu,
420
Wer ist die Bürge seiner Treu?
421
Des Schattens Schatten jagst du nach,
422
Spinnst kranke Träume, werde frei,
423
In meinen Armen werde wach!
424
Auch ich bin Dagobert, sein Blut
425
Ist meines und ich bin dir gut.
426
Wer sagt, daß ich dem Bruder wich?
427
Dein Retter war, dein Freier ich;
428
Ich zürnte dir im blinden Wahn –
429
Vergiß daß ich dir weh gethan!«
430
Sie hörte nimmer. Abscheu brach
431
Der Seele Spannkraft, doch sie sprach:
432
Gib mir den Tod! dann sank sie nieder.
433
Und schwieg, niemals zu reden wieder.
434
»ha, Falsche, du betrügst mich nicht!
435
Nun schmettre Wahrheit ihr Gewicht
436
In meine Schale, dein Gesicht
437
Wird schaudernd sehn, was dich wird stimmen
438
Nach Kunos Sinn, dem heut erst schlimmen!
439
Auf, folge mir! und dieses Tuch
440
Für deine Zunge, schwer von Fluch!«
441
Der Arge winkt, die Schergen stehn
442
Bereit zu knebeln und zu binden
443
Die Jungfrau, deren stummes Flehn
444
Dem Himmel gilt, den Trost zu finden.
445
Sie zittert, doch kein Klagelaut
446
Kein bittend Wort entweiht die Braut,
447
Des Todes Braut, denn was nun komme,
448
Das Herz wird brechen, weiß die Fromme;
449
Sie fühlt es tief, vor höchster Noth
450
Vertheidigt sie ein Freund, der Tod.
451
Man führt sie durch des Hauses Flur,
452
Sie wehrt nicht ab, sie betet nur;
453
Man hält, ein eisern Fenster knarrt
454
Und fällt zurück – Gunilde starrt,
455
Es taucht ihr Blick in nächtgen Raum,
456
Er schwindelt, unterscheidet kaum,
457
Doch langsam dämmert Stein an Stein
458
Des Kerkers auf zu mattem Schein,
459
Und aus dem Düster zeichnet bald
460
Sich eine lebende Gestalt
461
Graunhaft hervor, weh! brichst du Herz?
462
Das sind die Züge Dagoberts!
463
Der Freude Schrei, des Schreckens Schrei
464
Ist ihr versagt – o Himmel steh ihr bei.
465
Freu dich des Wiedersehns, mein Kind!
466
Grinst Kuno, der Verderben sinnt,
467
Sich an dem Schmerz des Weibes weidet,
468
Und doch die bittre Wonne neidet.
469
Wie? das zermalmende Gefühl
470
Wirft sie nicht hin, sie steht und schaut
471
Hinunter auf den harten Pfühl,
472
Drauf der Geliebte hingegossen
473
Den Sinn der Außenwelt verschlossen –
474
So nah, so fern der theuern Braut!
475
Grausame Lust, das Glück mit Martern geben,
476
In Einem geben und auch nehmen Leben.
477
War Tyrannei vom grauen Ninus her
478
Erfinderischer, boshaft, schamlos mehr?
479
Verbissner Aerger schlürft in gierigen Zügen
480
Solch schnöden Kelch, solch schmähliches Vergnügen.
481
Scheußlichen Scharfsinns feige Ausgeburt
482
Ist diese That – nein, That der Ehrenname
483
Ziert Treiben nicht, wo selbst der Schurke murrt,
484
Und nimmer faßt, der ganz empfindungslahme.
485
Das ist nicht Haß mehr, wildes Spottgelüst,
486
Das ist ein Streich, der ohne Namen ist.
487
Empört dich nicht dein Athem, o Tyrann,
488
Nicht deine Hand, dein Hirn, das Solches sann,
489
Dein Auge ärgert es dich nicht,
490
Daß es verdammet, anzuschaun,
491
Was du begehst im reinen Himmelslicht,
492
Bist du so elend, daß dir
501
Kuno ist nicht empört, und sieht Gunilde weinen,
502
Gunilde weint, ein Engel weint aus ihr!
503
O Thau des Himmels, diese Thränen scheinen
504
Im eignen Licht, das ist nicht irdsche Zier.
505
So milder Glanz, so rührend blickt dies Funkeln,
506
Gib Schächer Acht, es leuchtet fern im Dunkeln!
507
Dies Leuchten spricht, beredtren Jammer nie
508
Sog Menschenohr, sann Liebesphantasie.
509
Ha! Dagobert merkt auf, zum Innern dringt
510
Es ihm wie Blick und Ton, der ganz ihn zwingt,
511
Wehmüthger Schmerz durchschüttert, schauert
512
Das Mark des Seins und jede Fiber
513
In willenlosem Eifer lauert,
514
Wies im Gemüth ihm trüber wird und trüber,
515
– So tief hat seine Seele nie getrauert.
516
Als wie vom Blitz gerührt zerschmolz
517
Die ehrne Säule – Mannesstolz;
518
Die Fassung dämmert ein, es überzieht
519
Des Geistes holde Freiheit sich mit Schleiern,
520
Des Leibes Luft, der Lebensmuth, entflieht,
521
Und selbst die Sinne feiern.
522
Dann schwärzre Nacht und Hoffnungslosigkeit
523
Dünkt ihm zu nahn, noch bittrer Leid
524
Unsäglich bittrer Leid, und nur für das
525
Bleibt Kraft des Grübelns ihm, Traumlüsternheit:
526
Ihm ist, im Grab zu sein, es wächst das Gras
527
So langsam leise über all sein Leid,
528
Er lauschet dem, fühlt über sich die Nähe
529
Der Freunde, der Geliebten und ihr Wehe.
530
So klar, so einzeln jeglich neue Welle
531
Des Grames spült durch seines Blutes Quelle,
533
Und unerbittlich reifen die Gedanken
534
Dem Ziele zu in seinem Geist dem kranken.
535
Er weiß, daß er noch ist, daß ewge Nacht
536
Liegt hinter ihm und vor ihm Tag nicht wacht,
537
Das ist so deutlich, ohne daß es frommt,
538
Er staunt, daß so der Wahnsinn kommt.
539
»genug! herrscht der Barbar, schleppt sie zurück!
540
Kein Trotz mehr blitzt aus ihrem – sanften Blick.
541
Nun höre dies, mein Täubchen, und sei klug,
542
Willst du nicht sein, die ihren Freund erschlug.
543
Es ist Vernichtung über ihn verhängt,
544
Es ist kein Gott, der seinen Kerker sprengt,
545
Es ist beschlossen – und sein schönes Haupt
546
Dem Tod verfallen, doch dir ungeraubt;
547
So zur Vermählung dichs im Sterben drängt,
548
Das blutge sei zu küssen dir erlaubt!
549
Nur Eines fordr ich und begehr es kühn:
550
Noch soll für mich die Hochzeitsfackel glühn,
551
Eh neuer Morgenthau die Blumen tauft,
552
Warst du mein Weib, hast meine Huld erkauft:
553
Dann seis vergönnt, daß du ihn wiedersiehst,
554
Daß vor dem Sterbenden du niederkniest,
555
Dann sollst du freigegeben im Verscheiden
556
Am bleichen Antlitz deine Lippen weiden,
557
Den letzten Seufzer seines Mundes trinken
558
Und mit dem Freund in ewge Brautnacht sinken!
559
Nie anders auch vermeidest du Gewalt
560
Und Kränkung dir, statt wonnig Enden bald!
561
Ihm aber, wisse, reichest du ein Gift,
562
So schlimmen Tod, deß volle Schuld dich trifft,
563
Den Freund in stolzer Seelenruh
564
So schnöder Buhlschaft überlieferst du,
565
Des Hungers Furie, die nach Opfern girrt,
566
In deren Umgang er so häßlich wird,
567
Daß, wenn die Braut an solchen Gatten denkt,
568
Sie jede Lieb in Thränenfluth ertränkt,
569
Und öden Herzens, süßem Träumen fremd,
570
Des Lebens Flamme trostlos niederschwemmt.
571
Entscheide nun, ich ehre dich durch Wahl,
572
Die so ich gebe: sei mir heut Gemahl,
573
Kein äußrer Zwang, unzart Begegnen mehrt
574
Die Last des Unglücks dir, dem Niemand wehrt!
575
Verwirf mein Werben, und der Freund verdirbt,
576
Daß hundertfach er Tod durch dich erwirbt!«
577
Da hob den reinen Blick Gunild,
578
Und heftet ihn, durchdringend mild,
579
Doch so gebietend ins Gesicht
580
Der Schergen Einem, welcher spricht:
581
»o Herr, im Dienste grauser Pflicht
582
Und im Gehorsam ward ich grau,
583
So streng, so rasch verfahre nicht,
584
Gib kurze Frist der armen Frau,
585
Sie wird, laß nimmer dichs verdrießen,
586
Nach deinem Wunsche sich entschließen.
587
Er bietet Kuno scheu die Hand,
588
Doch war sein ganzer Sinn gewandt;
589
Ich rette sie, ruft laut sein Herz,
590
Des Sünders Gold winkt höllenwärts,
591
Der Unschuld stummer Schmerzensschrei
592
Schneidt mir die alte Seel entwei.«
593
Und Kuno gibt verblendet nach,
594
Verläßt, verschließet das Gemach,
595
Eilt dann, mit höllischem Behagen,
596
Den Rest des Tags im Forst zu jagen.
597
Indeß Gunild – doch wer beschriebe
598
Den Sturm, den Taumel des Gefühls
599
Beim Uebermaß so grausen Spiels
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Mit einem Herzen voll der Liebe!
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Die Unglückselge wirft sich hin
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Am Bild der Himmelskönigin,
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Umklammert es mit Armen heiß,
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Und sieh – ist es der kalte Schweiß? –
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Ein Diadem von Perlen drückt
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Die Göttliche aufs Haupt der Dirne,
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Mit heilger Martyrkrone schmückt
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Sie der geliebten Tochter Stirne.
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O Kuno, wähnt dein dumpfer Geist,
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Gunilde sei so ganz verwaist,
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Wähnst du, ihr bliebe keine Wahl
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Stürzt dein System – sie lautet Tod.
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Die Liebe fände Weg und Licht
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Durch Finsterniß und Schrecken nicht?
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Sie träte so beweinenswerth,
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Wie Du es willst vor Dagobert?
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Die heldenmüthige Vernunft
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Der keuschen Einfalt stumpft das Schwert
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Der tölpischen Despotenzunft!
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Im Staube staune der Tyrann
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Zu solcher Klugheit Glanz hinan!
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Verwirrt, geblendet stürz er fort,
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Der Mörder bebe vor dem Mord,
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Entgangen seinem Augenmerk
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Was hier geschah, und doch sein Werk! –
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Muß es denn sein, bringt kein Geschick
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Ihr Rettung mehr und Liebesglück,
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Und triumphirt der Dränger, so
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Sei er des Werks doch nimmer froh!
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Ihr blutger Leichnam wird ihn schrecken,
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Sein schlafendes Gewissen wecken,
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Hier wird das freche Laster zagen,
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Den scheuen Schritt nicht weiter wagen;
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Durch deren Schönheit all das kam,
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Ist sie nicht mehr – entnervt ihn Scham.
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Und wehrt die tiefe Schuld zu geben
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Dem Bruder Freiheit, Gut und Leben,
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Wehrt sie der Reue frischem Quell
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Aus hartem Felsenherzen hell
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Und reich zu strömen, wehrt sie auch
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Freudger Versöhnung Lebenshauch –
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So warf Gunildens Opfermuth
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Die Schranke doch vor neue Wuth,
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Der Rache glühende Dämonen,
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Die jetzt in Kunos Busen wohnen,
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Verscheucht Gunildens rauchend Blut;
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Drohende Qualen wird es wenden,
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Erlösung dem Geliebten senden,
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Es heißt die Kainsthat – vollenden.
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In hehrer Glut der Abendhimmel brennt,
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Und silbern tritt der Mond ins Firmament.
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Aus Felsenbuchten über weiten Wald
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Der Hörner Widerhall herüberschallt,
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Zum Schloß herauf dringt heller Waidmannsruf,
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Um Einlaß scharrt schnaubender Rosse Huf,
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Und aus den Bügeln springt der Edlen Troß,
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Nach wildem Zechen lechzt der Jagdgenoß.
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Auch Kunos Sinn steht nach des Mahles Freuden,
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Bis Mitternacht die Stunden zu vergeuden,
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Heut aus dem Weine, süßem Rebenblut
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Die rechte Stimmung holen dünkt ihm gut;
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Und mit dem Becher an dem Munde laut
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Lallet er Hohn auf eine treue Braut,
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Läßt er die Hochjagd leben, prahlet keck
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Mit Edelwild, zu der Vertrauen Schreck,
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Und mit dem Becher an dem Munde laut
669
Vom Liebchen spricht er, heut noch angetraut.
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Ein sinnverwirrend klirrendes Getöse
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Braust durch den Bau ehrwürdger Heldengröße.
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Auch an des ächten Wahnsinns Kerkerthor
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Gebrochner Ton des Jubels sich verlor,
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In Dagoberts einsame Geistesnacht
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Schweifet ein Stern, der lieblich niederlacht.
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Ihm däucht es festliche Musik zu sein,
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Und sanfter Schlummer wiegt den Aermsten ein.
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O weh, da träumet sein zerstört Gemüth
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Von süßer Feier, die ihm endlich blüht.
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Die Stunde wars, da fern im Thurmgemach
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Ein treues Herz, das Herz Gunildens brach.
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Indeß in Jagd- und toller Zecherlust
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Der Zwingherr schwelgte, war der greise Knecht,
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Nur von Gunildens Rettung voll die Brust,
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Hinausgeeilt, zu rufen Schutz und Recht.
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In nachbarlich Gebiet, volkreichre Gegend
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Tritt er, die That mit Kühnheit überlegend.
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Erwägend, wem er bringe solche Kunden,
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Hat er den rechten Mann schon ausgefunden.
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An schattger Halde hält ein schmucker Troß
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Von auserlesnen Rittern, hoch zu Roß,
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Und von der Heerstraß naht ein andrer Zug
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Ehrfurchtvoll grüßend unter Fahnenflug,
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Mit Sang und Klang, wies weiten Weg versüßt,
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Der Bischof ist es, der den Kaiser grüßt.
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Und unversehens vor den Fürsten stand
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Der greise Wandersmann im Knechtsgewand;
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Er hebt die Hände hoch zum Himmel auf,
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Es hemmt sein Ruf den Hin- und Wiederlauf
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Und auf der Hörer staunendes Begehr
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Erzählt er laut die schlimme dunkle Mähr,
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Von Dagobert, von Kuno, von Gunild,
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Daß Wuth und Schmerz aus jedem Auge quillt,
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Daß selbst der Bischof, Bischof Burkhard wars,
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Ein Zucken spürte seines Augenpaars,
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Daß ihm ein Graun die Seele überschlich,
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Und daß sein Blick des Kaisers Zornblick wich.
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Wohl war der Kaiser in das Land gekommen,
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Gericht zu halten zu der Unschuld Frommen,
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Und das Verbrechen zitterte vor ihm
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– Vor Sankt Georg scheut so das Ungethüm –
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Doch unverhofft war Kaiser Konrad da,
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Schnell, scharf mit Aug und Schwert und immer nah.
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Kein Säumen gilt, der Bischof Burkhard meint,
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Dem Schicksal schuld ich Rettung für den Freund;
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So wills mein Stolz, daß der nicht untergeht,
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Der meiner Rache voll Genügen brachte,
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Der meine Rechnung nicht zu Schanden machte,
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Der vor der Welt nicht, der vor mir besteht.
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Drum einen zuverläßigen Mann
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Nimmt Bischof Burkhard heimlich ins Gebet,
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Wie Ränkesucht sich stets ihn wünschen kann.
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Den sendet er auf Stromberg flugs voraus,
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Zu führen Kuno aus des Fluches Haus,
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Ohn alles Zaudern, Plaudern, Warnen, Drängen
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Mit dem Betroffnen aus dem Schloß zu sprengen,
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Und früher nicht den Rossen Ruh zu gönnen,
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Bis sie im Kloster fern sich bergen können.
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Mit diesem Ring, so flüstert der Mann Gottes,
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Erstickst du die Entgegnung kecken Spottes,
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Wird ihn der sorglos Schwelgende gewahr,
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Glaubt er mit Zittern bald an die Gefahr;
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Erschlossen ward mir heut des Ritters Sinn,
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Wie ich ihn kenne, däucht ihm Flucht Gewinn,
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In eines Klosters undurchforschten Mauern
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Entrinnt er gern des nahen Todes Schauern,
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In eines Büßers härenem Gewand
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Birgt er getrost sich jetzt vor Henkershand,
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Und beugen ihn nicht höhere Gewalten,
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Mag wälsche Pfründe einst ihn schadlos halten!
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Schon ruchbar in Palast und Hütte
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War Kunos unerhörte That,
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Als in der Zecher schwüle Mitte
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Auf Stromberg Burkhards Bote trat;
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Verlarvt, daß Keiner ihn erkenne
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Der Zeugen hier und später nenne,
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Erprobt er schlau des Ringes Macht,
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Davon der Schlemmer jäh erwacht,
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Und, wie der Priester sah voraus,
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Verzweifelnd floh von Schmaus und Haus.
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Dann, weil der Wirth nicht kehrt zum Feste,
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Zerstiebt der scheue Schwarm der Gäste,
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Und wie gescheucht von bösen Zeichen
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Die bleichen Diener auch entweichen.
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Vor Mitternacht mit den Getreun
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Traf noch der rasche Kaiser ein:
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Vergeltung hofft er reich zu üben,
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Doch was er fand, es konnt allein,
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Sein glühend Herz zu Tod betrüben.
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Der Bischof auch, mit frommem Blick,
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Bleibt hinter Konrad nicht zurück,
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Geistlichen Fluch und Sakrament
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Zu spenden, wie ers dienlich fänd –
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Wo Alle zürnen, trauern, schauern,
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Still zu frohlocken und zu lauern.
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Vergeblich wird das Schloß durchsucht
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Nach Kuno, dessen wilde Flucht
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Im schnell erbrochnen Thurmgelaß
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Lag dort Gunild, die Braut so blaß,
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Dort lag sie todt – ermordet nicht –
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Ein sanfterloschen Himmelslicht –
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Zerronnen vor dem grauen Morgen,
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Ein Stern, im Himmel tief geborgen.
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Wer hebt so lautes Jammern an?
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Wirft sich, ein aufgegebner Mann,
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Zu der Entseelten Füßen hin,
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Der Knecht vor die Gebieterin?
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Zu früh für seine Schuld verblich
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Die Dulderin, der Keine glich.
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Er rafft sich mühsam auf, er führt
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Nun Fürst und Ritter, tiefgerührt,
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Bei schauerlichem Fackelschein
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In Dagoberts Gefängniß ein.
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Weh ihm, er schlummert kranken Schlaf,
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Bald fährt er auf, wenn Schreck ihn traf,
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Bald spielt ein Lächeln um den Mund,
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Bald seufzet er von Herzensgrund –
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Er wacht; er weicht, er rast, er reißt
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Das Schwert dem Kaiser von der Seite,
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Aus seinem Auge glüht ein Geist
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Vernichtung brütend naher Beute.
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Es ist kein Irrsinn, der so blickt,
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Und, der ins Innerste erschrickt,
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Der Bischof, weiß, was es bedeute.
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Den Einen aus der Menge kennt
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Der Wahnwitz auch, den Einen brennt
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Er zu vertilgen, ist doch klar,
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Daß der des Leids Urheber war.
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Und blind, die Schwerter rings verachtend,
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Auf den Gefährlichen gezückt,
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Dringt auf den Bischof unberückt
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Der Tolle die Vertheidger schlachtend.
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Der Ritter Ehre, Burkhards Stolz
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Heischt nun zu bleiben; schon verpfändet
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Ist jene, hundert Haufen Golds
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Böt dieser dem, ders rühmlich endet.
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Dem Muthigsten wills nicht gelingen
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Den wilden Helden zu hezwingen,
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Zu greifen ihn, verhütend Tod,
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Wie Kaiser Konrad es gebot.
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– Doch Kaiser Konrad wurmt die Noth
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Der besten Männer und ihr Tod.
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Und ein Gedanke leuchtet hell
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In seiner Seele auf: »so schafft
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Die todte Jungfrau mir zur Stell!
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Der Wahnsinn nur schürt ihm die Kraft.
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Geht Bischof, bringt die Leiche schnell!
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Reicht mir ein Schwert indeß – das Wort
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Ist unnütz hier, er rast nun fort.«
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Man bringt die Bahre, und es ruht das Kämpfen,
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So schmerzreich Bild mag Wuth und Wildheit dämpfen.
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O seht, o seht! sein schartenvolles Schwert
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Wegschleudernd stürzt zu Boden Dagobert.
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Der Augenblick entschied, denn schon zugleich
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Schlug ihm der Kaiser tödtlich scharfen Streich.
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Nothwehr gebots. Der löwengrimmigen Wuth
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Die Spanne Zeit, es rönne fürstlich Blut.
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Am kalten Munde dort hing Dagobert
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Der Sterbende, dem ach, Besinnung kehrt;
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Der Unglückselge, der von Kaisers Hand
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Gelenkt den Weg in ewige Brautnacht fand.
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Er blickt empor – o Gott, mein Kaiser hier?
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Wo bin ich? O lebt wohl! Vergebet mir!
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Gott sei mit euch! An liebem Munde läßt
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Sich süß verbluten. Rittet ihr zum Fest?
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Zu meinem Hochzeitsfest? – da starb der Laut
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Auf seiner Lippe überm Mund der Braut.
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Es ruht die Hand in Kaiser Konrads Rechten,
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Der zitternden, der nicht vom Kampf geschwächten
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– Der drückt sie stumm, zur letzten Pilgerfahrt,
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Und Thränen rollen in des Kaisers Bart.