1.

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Ludwig Eichrodt: 1. (1859)

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Oft mein ich, wenn ich in Träumen liege,
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Es trete zu mir eine hehre Gestalt,
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Und wenn ich mich freudvoll an sie schmiege,
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So küsse sie mich mit Liebesgewalt;
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So spräche sie laut, ich suchte dich lange,
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Und da ich dich endlich gefunden hab,
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So laß mich entsagen dem finstern Zwange,
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So liebe du mich, du lieber Knab!

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Und immer die gleiche, immer die holde
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Erscheinet die liebliche Traumgestalt,
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Hochgrüßenden Augs, mit Locken von Golde
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Die anmuthselige Schulter umwallt!
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Wollüstig wühl ich im Golde der Locken,
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Ich presse mein Vollglück an die Brust,
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Und, süß vor unendlichen Reizen erschrocken,
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Erschüttert mich plötzlich der nahe Verlust.

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Ich frage mich oft, ich frage mich immer,
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Woher die Stimme so thränensüß?
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Woher der weihrauchwonnige Schimmer,
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Wenn sie mich staunend einsam ließ?
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Woher der Augen leuchtende Lohe,
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Woher die zaubrische Liebesgewalt?
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Woher die reine, woher die hohe
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Woher die wunderbare Gestalt?

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Doch – darf die nüchterne Seele fragen
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Nach dem geheimnißreichsten Wie?
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Von Wahngebilden ein Kluges sagen,
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Vom Spiel der müßigen Phantasie?
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Nein, um mich ewig beglückt zu lassen,
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Verläumdet mir nicht das zagende Glück,
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Die Unaussprechliche würde mich hassen,
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Und, nimmer ach, kehrte sie mir zurück!

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Es ist kein Scheinen, kein Wahngebilde,
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Kein Spiel der müßigen Phantasie.
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Sie schwebt aus göttlichem Gefilde,
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Das ihr so milden Reiz verlieh!
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Es sind die heiligen, glücklichen Inseln!
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Drauf wandelt im vollen Lebensdrang,
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Was aus parrhasischen Meisterpinseln,
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Was aus dem Haupt der Dichter sprang!

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Und sieh, und sieh! schon naht sie wieder,
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Mein Glaube wird, meine Treue belohnt,
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Musik durchströmt die blühenden Glieder,
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Darin der Geist des Wohlklangs wohnt.
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Sie lächelt Dank, sie sinket nieder
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Wie herrliches Licht vom Maimond fließt,
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Und mich berauschen unsterbliche Lieder,
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Wie sie Apollo, der Gott, genießt!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Eichrodt
(18271892)

* 01.01.1827 in Durlach, † 01.01.1892 in Lahr/Schwarzwald

männlich, geb. Eichrodt

deutscher humoristischer Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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