Es krachet der Wald

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Ludwig Eichrodt: Es krachet der Wald Titel entspricht 1. Vers(1859)

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Es krachet der Wald,
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Die Aeste brechen,
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Es brauset und schallt
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In gießenden Bächen.
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Und hoch über mir
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Grollet langsam,
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Und wiederum plötzlich
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In rasenden Wirbeln
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Geller Donner
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Der Sturm peitschet die große Fichte,
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Daß sie morsch auseinanderstürzt,
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Und hundert Keime knickt.
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Es brüllen, es lärmen
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Die jagenden Wolken,
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In scheuen Schwärmen
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Suchet Schutz das vergeisterte Wild.
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Und wiederum nachher
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Ein sanftes volles Rauschen
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Geht durch die Wipfel
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Und Stille folgt ihm.
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Aber nicht lange so ziehet herauf
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Ein zweites Wetter,
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Voll Blitz und Regenguß
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Und schrecklichem Donnern.
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Was rennt dort ein Weib,
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Ein schönes, verzweifelndes?
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Im Arm ein Neugeborenes
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Krampfig haltend
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Und schauernd.
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Ich frage, sie flieht mich,
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Ich rufe, sie eilet,
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Ich folge, sie jammert:
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O du bist auch ein Menschengesicht,
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Und schlecht sind die Menschen!
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Wer jagt dich in die Wildniß,
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Unglückselige?
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Wer mich jagt in die Wildniß,
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Das ist Vater und Mutter.
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Ich hülflos herzlos Verlassene
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Von Vater und Mutter
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Und vom stolzen Geliebten!
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So komme mit mir.
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Ich will dich schützen,
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Ich will dich führen
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Unter wirthliches Obdach.
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Denn Du bist eine Heilige,
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Wenn Vater und Mutter
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Und ein Geliebter,
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Bei solchem Sturm dich jagen in die Wildniß
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Also sprach der Zigeuner.
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Bist du der Heiland?
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Frägt sie mit großen
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Strahlenden Augen.
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Ein Fremder bist du
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Und bürdest dir Last auf,
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Unerquicklichste.
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Ja ich bin der Heiland,
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Denn ewig lebt er
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Ewig ein Solcher.
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Und wo du ihn suchest,
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Da ist er.
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Niemals stirbt das Geschlecht aus
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Der Hülfreichen.
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Und weh, wenn wir lebten
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Ohne diese Gewißheit!
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Entrüstet hast du,
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Schmerzreiche Mutter,
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Gläubige Christen durch menschliche That.
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Jetzt wo zürnet der Himmel
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Und ihnen Angst ins Herz frißt,
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Entschuldgen sich diese
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Mit des Gebetes Wollust –
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Aber draußen im Sturmwind
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Irret ein Menschenkind,
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Dem sie fluchen ob menschlicher That.
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Ihnen war der Heiland
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Ein Gott,
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Ein Unbegreiflicher,
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Unnahbarer, wundersüchtiger,
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Unverstandener,
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Und unwürdig
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Tragen sie seinen Namen.
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Ich, der niemals
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Sich also bekannte,
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Trage im Busen
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Unerlerntes Mitleid.
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Komm du, ich will dich beschützen!
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Und wieder rauscht es
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Sanft und voll durch die Wipfel,
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Nimmer wüthet der Regen;
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Und von den grünen
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Aufathmenden Blättern
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Tröpfelt es nieder.
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Vöglein hüpfen hervor,
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Und ein süßer Strahl
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Lächelt vom blauen
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Fröhlichen Himmel.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Eichrodt
(18271892)

* 01.01.1827 in Durlach, † 01.01.1892 in Lahr/Schwarzwald

männlich, geb. Eichrodt

deutscher humoristischer Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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