Von Westen flog Gewölk herauf

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Ludwig Eichrodt: Von Westen flog Gewölk herauf Titel entspricht 1. Vers(1859)

1
Von Westen flog Gewölk herauf,
2
Der Rheinstrom rauschte mächtig,
3
Was will der eilige Männerhauf
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Im Mondschein mitternächtig?
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Die Rosse wiehern mit Ungeduld,
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Gar weithin schimmern aus dem Tumult
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Zwei weiße Zelter prächtig.

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Und der Fährmann schreitet zur Hütt heraus,
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Zu festen das Boot am Gestade,
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Daß Sturm und reißender Wogenbraus
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Der ärmlichen Habe nicht schade.
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Der einzige Nachen weit und breit!
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Fahr über, du Lump! Dein König gebeut.
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Heut widerfährt dir Gnade.

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Mein König? Ich habe keinen Herrn,
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Ich folge fürwahr keinem Rufe,
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Ein freier Wangione so sitz ich gern
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Auf meiner einsamen Hufe.
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Ich will nicht fahren. Ich will kein Gold.
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Ihr habt die Gewalt, macht was ihr wollt,
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Die ihr steht auf des Thrones Stufe!

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Und nimmer der Antwort würdigend
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Den stolzen Landsmann, heben
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Die Königsleut vom Sattel behend
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Die Weiber, welche beben.
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Zwei Königinnen, der Schmuck des Lands,
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Die Eine zum Prunk und Fürstenglanz,
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Die Andre zu Liebe und Leben.

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Und wieder erhallet der Uferwald
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Vom dröhnenden Roßgestampfe;
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Das ist Arfest, die edle Gestalt
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Umhüllt von des Renners Dampfe.
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Und ermattet vom Ritt und der Rüstung Gewicht,
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Erschien er im trutzigen Angesicht
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Als käm er frisch aus dem Kampfe.

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Mit dem wehenden Fell, der Schultern Zier,
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Vermengt sich das Gold seiner Haare,
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Jetzt schwingt sich der Kecke vom schnaubenden Thier,
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Damit er den Strom überfahre.
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Doch ist keine Fähre mehr weit und breit –
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Die Königinnen in Sicherheit,
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Der König so fern dem Paare!

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Wohl schneidet der starkgefügete Kahn
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Scharf durch die tückischen Wogen,
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Da kommen, sie kündeten Unglück an,
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Die Wettervögel geflogen.
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Und plötzlich heulet der Sturmwind auf,
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Dann Finsterniß – bange Stille drauf,
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Und der Nachen dem Blick entzogen.

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Doch es siegt der Mond, es weicht die Wolk,
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Da sieht man Thränen quellen,
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Und der König, mit ihm sein ganz Gefolg,
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Sie stürzen beherzt in die Wellen.
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Das sind die Genossen in jeder Noth,
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Der Rest der Treuen bis in den Tod,
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Die edeln Bluttrankgesellen!

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Glück zu, du herrlicher Schwimmertroß!
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Glück zu in allen Gefahren!
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Es gibt keine Furcht. Heil Mann und Roß!
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Euch müssen die Götter bewahren.
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Doch weh! sie strafen den Uebermuth –
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Es kämpfen umsonst mit des Wassers Wuth
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Die den König Arfest umschaaren.

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Arfest allein mit kühnem Griff
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Hat sich ans Ufer geschwungen,
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Dort wo der Kahn zerschellt am Riff,
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Wo der Rhein die Frauen verschlungen.
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Arfest allein mit seinem Schmerz,
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Steht auf dem Strand, sein Heldenherz
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Vom großen Schicksal bezwungen.

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Und er ruft in die weite Nacht hinaus,
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Daß selbst der Sturm, erschrocken,
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Daß selbst der reißende Wogenbraus
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Mit ihrem Wuthsang stocken.
75
Verloren, verloren Reich und Ruhm!
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Die Krone, das Völkerheiligthum,
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Verloren aus den Locken!

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Zertrümmert das Glück, versiegt der Born
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Des Siegs, umsonst gefochten
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Die zwanzig Schlachten, weil gegen den Zorn
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Der Götter wir Nichts vermochten!
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So schickten sie über uns List und Verrath,
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Vereitelnd männliche Waffenthat,
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Auf die wir, Verlorene, pochten!

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Nehmt Reich und Ruhm, nehmt Weib und Kind!
86
Ihr habt nun Alles, versüßen
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Soll nichts mein Leid – – Arfest zerrinnt
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In Thränen nicht durch Büßen!
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Und der König wischt sich die Thränen ab,
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Nimmt das treue Schwert zum Wanderstab,
91
Die heimischen Gauen zu grüßen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Eichrodt
(18271892)

* 01.01.1827 in Durlach, † 01.01.1892 in Lahr/Schwarzwald

männlich, geb. Eichrodt

deutscher humoristischer Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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