Elegischer Humor

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Ludwig Eichrodt: Elegischer Humor (1859)

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Lange sind wir nicht gesessen
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Lange nicht beim kühlen Wein,
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Habens ganz und gar vergessen,
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Ausgelassen lustig sein.
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Eilet drum zur alten Schenke!
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Lasset Alles gehn und stehn,
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Zum berauschenden Getränke
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Raset ihr Vortrefflichen!

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Reinigt eure Sünderseelen,
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Heilet euer krank Gemüth,
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Waschet eure trocknen Kehlen,
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Für ein überschwänglich Lied!
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In die Schenke, in die Schenke!
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Freunde, seid ihr alle da?
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Wenn ich alter Zeit gedenke,
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Tönt mein Herz Halleluja!

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Wandle mit bedächtgem Schritte,
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Wer sich selber nie vergißt!
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Ueberflüssig ist die Sitte,
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Wenn das Herz betrunken ist.
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Umgekehrt von euerm Spasse
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Schalle dieses frohe Haus,
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Wie der Strahl aus vollem Fasse
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Sprudle euer Witz heraus!

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Lachen, daß erdröhnt die Halle,
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Daß mich schüttelt Rippenweh,
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Muß ich laut, wenn ich so Alle,
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Brüder euch beisammen seh.
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Achtung Allem, was zu achten!
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Aber lachen muß ich – als
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Götter im Olympus lachten,
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Lachten sie aus vollem Hals.

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Hör ich solchen Lärm verführen
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Lauter so vernünftge Leut,
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Soll mich gleich der Donner rühren,
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Sterb ich nicht aus purer Freud!
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Holla, wackere Gesellen,
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Schlagt Gesang an, Hollahoh!
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Wenn die Töne hoch anschwellen,
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Fühlt sich Jeder lebensfroh.

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Sagt mir an, gelehrte Häupter,
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Du, o Dummkopf, sag mir an,
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Steh mir Rede, Wohlbeleibter,
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Sprich du lendenarmer Mann,
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Gebt, ihr edlen Trinker alle,
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Gebt mir Antwort, wie und wann
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Kommt der biedre Mensch zu Falle,
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Und warum, das sagt mir an!

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Wie aus einem Mund genommen,
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Hör ich das Orakel, dann
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Wird der Mensch zu Falle kommen,
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Wenn er nicht mehr trinken kann!
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Dann auch, wenn mit ihm – o wische
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Freund die Augen, daß er sinkt –
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Niemand mehr an einem Tische
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Und aus einem Glase trinkt!

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Einst in glücklicheren Tagen,
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Derer Geist für immer schwand,
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Kannte man nur wenig Plagen
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In dem frohen Griechenland.
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Damals war es wo die Besten,
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Kehrend aus der Männerschlacht,
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Sich zu heitern Becherfesten
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Trafen in der Frühlingsnacht.

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Dort geschmückt mit grünen Kränzen
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Tranken Jüngling, Mann und Greis,
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Und dem Weisesten kredenzen,
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Dünkete der Schönsten Preis;
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Schon der Athem hauchte freier
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Dort, in der geschmeidgen Luft,
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In den goldnen Klang der Leier
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Stieg der Hyazinthenduft.

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Damals floh der Geist der Jugend
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Mit den Jahren nicht davon,
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Jugend aber nur hat Tugend,
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Denn sie dürftet nicht nach Lohn.
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Heut, in unsern schwiergen Tagen,
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Heut vertrocknet frühe ganz
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Unterm Wüstenwind der Plagen
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Das bestürmte Herz des Manns.

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Freunde, diese Zeiten waren.
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Solchen Frohsinn aber mag,
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Wie den klaren wunderbaren
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Himmel, nur der Sommertag,
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Solchen Frohsinn mag bewahren
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Menschenbrust nur dann und da,
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Wo man noch in Silberhaaren
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Ewiger Natur ist nah.

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Fort jetzt mit den Grübeleien!
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Wir auch dünken uns nicht schlecht,
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Wir auch wissen uns zu freuen,
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Und der Lebende hat Recht.
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Also sprach der große Schiller,
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Fällt mir grad der Schiller ein;
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Jetzt komm Einer her, was will er?
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Jetzt kein Wort mehr! Hier ist Wein!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Eichrodt
(18271892)

* 01.01.1827 in Durlach, † 01.01.1892 in Lahr/Schwarzwald

männlich, geb. Eichrodt

deutscher humoristischer Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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