60. Noahs Taube

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Johann Gaudenz von Salis-Seewis: 60. Noahs Taube (1798)

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Eh' Noah seine Taube sandte,
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Das Glaubensland, das unbekannte,
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Zu suchen durch das weite Meer,
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Versucht' er es mit einem Raben
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Von anerkannten Spähergaben;
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Doch, dessen Flug sank tief und schwer. –
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»nun, wenn es dem Verstand des alten
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Erfahr'nen Forschers nicht gelingt,
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Sich in der Höhe zu erhalten,
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Wo erst der Blick zum Ziele dringt,
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So mag der kühne Falke fliegen!
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Sein Auge blicket scharf und hell;
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Er weiß, wie Schein und Ahnung trügen;
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Sein Kopf ist der Erkenntnis Quell.« –
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Hoch schwang sich der in engen Kreisen,
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Verglich, bezweifelt', dachte frei –
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Und kehrte bald, um zu beweisen,
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Land hoffen wäre Schwärmerei.
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Der Kranich war nun angegangen,
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Man hoffte auf sein Ahnungslicht;
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Durch Wolken trieb ihn das Verlangen,
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Jedoch Gewißheit bracht' er nicht.
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Nun stieg die Not, und Thränen flossen,
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Der Schwache fing zu zweifeln an;
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Da stieg bescheiden, doch entschlossen,
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Ein Täubchen auf zur Himmelsbahn.
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Es flog, zu retten die Genossen
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Von Not und glaubenslosem Wahn;
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Es prüft' und forscht' in düstern Tagen,
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Und sah dann Land im Morgenrot,
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Und jenen stillen Ölbaum ragen,
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Der Zweige ew'gen Friedens bot. –
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Die fromme Zeugin kehrte wieder,
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Empfangen nun mit Jubelgruß,
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Und legte still ihr Zweiglein nieder,
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Mit Demut an des Altars Fuß.
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Der Falke mit verbiss'nem Schnabel,
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Von kaltem Wisserstolz gebläht,
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Verhöhnt die Botschaft dreist als Fabel,
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Der Kranich seufzt, der Rabe schmäht.
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Doch Noahs Blick gebeut zu schweigen
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Und heißt das fromme Täubchen nah'n:
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»seht, Reine wählt der Herr zu Zeugen,
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Wollt ihr das Land des Glaubens schau'n,
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So lernt Gehorsam und Vertrau'n!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gaudenz von Salis-Seewis
(17621834)

* 26.12.1762 in Schloss Bothmar, † 29.01.1834 in Schloss Bothmar

männlich, geb. Salis

Schweizer Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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