40. Die Herbstnacht

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Johann Gaudenz von Salis-Seewis: 40. Die Herbstnacht (1798)

1
Der Mond, umwallt von Wolken, schwimmt
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Im feuchten Blau der Luft;
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Der Forstteich, matt versilbert, glimmt
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Durch zarten Nebelduft;
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Die Glut, vom Hirtenkreis' umwacht,
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Verschwärzt, entflackernd, rings die Nacht;
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Eintönig rollt vom Brunnenrohr
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Der Wasserstrang, der sich verschlürft;
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Und zarte, graue Schatten wirft
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Schräghin das Kirchhofthor.

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Das Netz der Zuggewölke schwillt
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Zum Zelt des Blitzes auf;
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Der Mond, in Wettergraun gehüllt,
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Verschied nach halbem Lauf.
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Des Irrlichts bläulich siecher Schein
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Erlischt im Torf am Tannenhain.
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Des Zeigers Goldblatt blinket matt,
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Umflort von feuchtem Nebelrauch;
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Und ängstlich zückt im Erlenstrauch
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Sein letztes dürres Blatt.

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Hier, wo aus langer Nacht empor
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Sich die Betrachtung reißt,
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Bedrückt das Herz ein Schwermutsflor;
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Doch Frührot hellt den Geist.
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Des Schicksals Wolken fliehn zerstreut;
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Aus Dunkel strahlt die Herrlichkeit.
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Der Unschuld Rose blüht bewährt,
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Durch Stürme nicht des Dufts beraubt,
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Da, durch die Nacht, der Tugend Haupt
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Nur hehrer sich verklärt.

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Durch Seelenkraft und festen Mut
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Wird Wahn und Schmerz besiegt;
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Der weise Glaube fühlt als gut,
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Was Allmacht liebend fügt.
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Ein Kind im Mutterschoße ruht
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So achtlos bei der Blitze Glut.
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Auf Pfade der Gelassenheit
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Glänzt Hoffnung im Gewitterlicht;
39
Und in des Todes Blitz verflicht
40
Den Strahl – Unsterblichkeit!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gaudenz von Salis-Seewis
(17621834)

* 26.12.1762 in Schloss Bothmar, † 29.01.1834 in Schloss Bothmar

männlich, geb. Salis

Schweizer Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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