Der Narr des Grafen von Zimmern

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Gottfried Keller: Der Narr des Grafen von Zimmern (1878)

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Was rollt so zierlich, klingt so lieb
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Treppauf und -ab im Schloß?
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Das ist des Grafen Zeitvertrieb
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Und stündlicher Genoß:
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Sein Narr, annoch ein halbes Kind
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Und rosiges Gesellchen,
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So leicht und luftig wie der Wind,
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Und trägt den Kopf voll Schellchen.

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Noch ohne Arg, wie ohne Bart,
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An Possen reich genug,
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Ist doch der Fant von guter Art
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Und in der Torheit klug;
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Und was vergecken und verdrehn
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Die zappeligen Hände,
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Gerät ihm oft wie aus Versehn
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Zuletzt zum guten Ende.

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Der Graf mit seinem Hofgesind
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Weilt in der Burgkapell,
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Da ist, wie schon das Amt beginnt,
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Kein Ministrant zur Stell;
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Rasch nimmt der Pfaff den Narrn beim Ohr
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Und zieht ihn zum Altare;
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Der Knabe sieht sich fleißig vor,
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Daß er nach Bräuchen fahre.

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Und gut, als wär er's längst gewohnt,
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Bedient er den Kaplan;
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Doch wenn's die Müh am besten lohnt,
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Bricht oft der Unstern an:
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Denn als die heil'ge Hostia
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Vom Priester wird erhoben,
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O Schreck! so ist kein Glöcklein da,
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Den süßen Gott zu loben!

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Ein Weilchen bleibt es totenstill;
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Erbleichend lauscht der Graf,
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Der gleich ein Unheil ahnen will,
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Das ihn vom Himmel traf.
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Doch schon hat sich der Narr bedacht,
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Den Handel zu versöhnen:
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Die Kappe schüttelt er mit Macht,
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Daß alle Glöcklein tönen!

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Da strahlt von dem Ciborium
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Ein goldnes Leuchten aus;
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Es glänzt und duftet um und um
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Im kleinen Gotteshaus,
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Wie wenn des Himmels Majestät
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In frischen Veilchen läge:
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Der Herr, der durch die Wandlung geht –
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Er lächelt auf dem Wege!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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