Has von Überlingen

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Gottfried Keller: Has von Überlingen (1878)

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Es war der Has von Überlingen,
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Der scheut' den Märzen wie den Tod;
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Denn in die Glieder fühlt' er dringen
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Mit ihm des Alters leise Not.

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Wann nun die Morgenlüfte wehten
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Nach letzten Hornungs Mitternacht,
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Sah man ihn vor die Türe treten
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Wie einen Krieger auf die Wacht.

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Den Krebs geschnallt um Brust und Rücken,
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Auf grauem Kopf den Eisenhut,
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Umschient die Glieder ohne Lücken:
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Das schien ihm für den Märzen gut!

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Den langen Degen an der Seite,
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Die Halmbart in beschuhter Hand,
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Erwartet' er den Feind zum Streite,
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Bis sich erhellten See und Land.

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»hei, falscher Mars! willst du es wagen?
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Dir sag ich ab und biete dir,
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Auf Hieb und Stoß gerecht zu schlagen
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Ums teure Leben, jetzt und hier!

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Willst du an Herz und Mark mir greifen,
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Du Tückebold, so komm heran!
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Ich lehre dich ein Liedlein pfeifen,
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Du findest einen Martismann!«

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Fuhr dann dem Alten rauh entgegen
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Ein Staubgewölk im Sonnenschein,
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Ein Schauer auch von Schnee und Regen,
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So hieb und stach er mächtig drein.

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Denn in dem Duste sah er drohen
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Den Gegner mit gezücktem Speer;
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Drum schlug er, bis der Spuk entflohen,
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Und blickte siegreich um sich her.

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Ein Trunk von goldnem Rebenblute
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Erquickt' ihn nach bestandnem Streit,
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Und er genoß mit frohem Mute
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Des Frühlings neue Herrlichkeit.

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So ging es denn nach seinem Willen;
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Er schlug den Märzen Jahr um Jahr,
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Bis einst am ersten Tag Aprillen
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Sein tapfres Herz gebrochen war.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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