Abend war's, ich stand am Ufer

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Gottfried Keller: Abend war's, ich stand am Ufer Titel entspricht 1. Vers(1859)

1
Abend war's, ich stand am Ufer,
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Wo die Wellen freudig rauschten
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Und, vom Süden her gewaltig
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Hergeeilt, am Strand erschäumten.
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Violett war ihr Gewand,
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Doch sie trugen rote Kronen,
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Die von Haupt zu Haupt sie warfen,
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Klangvoll ineinanderfließend.
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Durch der Wolken wildes Jagen,
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Einsam, sah der Abendstern,
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Glänzend, wie der Schönheit Auge,
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Groß erglühend, wie die Sehnsucht.

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Und ich sagte zu den Wellen:
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»noch so laut und fleißig seid ihr?
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Doch ich seh nicht, was ihr schaffet,
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Denn kein Segel ist zu finden,
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Weil es Nacht wird und die müde
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Sorgenvolle Woche hingeht!«

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Und sie riefen laut erbrausend:
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»feierabend ist's, wir tanzen
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Eben noch für uns ein Tänzchen!
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Wie der Hirt den Schnitterinnen
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Abendlich den Reigen bläset,
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Also spielt der wilde Bruder
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Uns, der heiße Föhn, zum Tanze,
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Und er darf uns alle küssen!
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In der Freiheit, in der Freude
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Schlagen wir für uns ein Stündchen!
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Wollt ein Schiff uns jetzt befahren,
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Müßt es untergehn und brechen!

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Und wir raten dir nicht minder:
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Freiheit gib auch du den Wellen
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Deines Blutes einmal wieder,
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Laß das Schifflein untergehen
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Mit dem schweren goldnen Bilde,
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Mit der ungeschlachten Schiff'rin,
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Die dein wogend Herz befährt
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Schon so lang und es bedrückt!
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Laß die Furcht und laß die Hoffnung
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In empörter Flut versinken
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Und erfreue dich der Freiheit!«

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Ach! die allzutreuen Wellen
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Meines unterjochten Blutes
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Wollen es nicht sinken lassen;
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Immer taucht empor es wieder,
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Triumphierend fährt's empor,
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Schiff und Bild, ach, Schiff und Götzin!
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Einzig hilft, es rasch entheben
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Und es in der Luft erwürgen!

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Also tat ich in der Nacht,
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Still in einer Frühlingsnacht.
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Einen schwachen Seufzer hört ich,
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Deutlich, wie aus weiter Ferne;
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Denn von den Betörten endlich
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Auch einmal vergessen werden
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Tut den Vielgeliebten weh,
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Und sie fühlen's in der Ferne.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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