In dem Winkel einer Schenke saßen

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Gottfried Keller: In dem Winkel einer Schenke saßen Titel entspricht 1. Vers(1854)

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In dem Winkel einer Schenke saßen
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Einstmals Jäger nach vollbrachtem Jagen.
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Sie erzählten sich die feinen Künste,
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Wie des Wildes Heimlichkeit zu sehen,
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Alle Kreatur sei zu beschleichen.
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Als sie nun nicht ihrem Witz alleine,
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Sondern auch dem Glück erkenntlich waren,
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Griff ein alter Schlingel nach dem Faden
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Des Gesprächs und zog ihn an sich, gleich der
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Schnur, mit der ein Netz man zuzieht.
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Ein erlebtes Jugendabenteuer
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Bracht er vor mit schlauen Blinzeläuglein,
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Daß die Köpfe sie zusammensteckten
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Und die Pfeifen bald erkalten ließen:

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»wohl, ich saß im hohen Eschenbaume,
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In dem Kronenbusche still verborgen;
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Unterm Baume lag ein schönes Weibchen
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Auf dem sonnbeglänzten Sand im Bade.
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Auf dem Rücken lag sie unbeweglich,
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Mit dem Köpfchen auf dem warmen Ufer,
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Ihre Arme reglos drum geschlungen.
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Doch die kleinen Füße, sie verschwanden
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In dem blauen Purpur des Gewässers;
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Aber sichtbar wurde schon das Leuchten
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Ihrer Knie durch das bewegte Wasser,
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Und wie Glas auf ihrem weißen Schoße
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Unablässig floß die Welle weiter,
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Und die Silberfischchen schwammen ruhig
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Über ihre Hüften hin, erblinkend,
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Wenn sie steuernd ihre Flossen regten.
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Auf des Stromes hellbeglänzte Breite
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Sah die Schöne mit halboffnen Augen.
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Kahl und einsam lag das andre Ufer,
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Nicht ein menschlich Wesen zu erspähen.

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Doch auf einmal kam ein Schiff gefahren
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Mitten auf des Stromes heitrem Glanze;
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Und ich sah das Schiff und sah die Schöne.
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Sachte, sachte schloß sie beide Augen,
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Nicht sich regend, bis das Schiff vorüber.
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Und die Schiffer fuhren in die Ferne,
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Nur nach ihrem Ziel den Sinn gewendet. –

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Triumphierend lächelte die Holde;
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Denn das Äußerste zu wagen und ihm
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Zu entgehen lieben oft die Frauen.
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Doch sie ahnte nicht, daß ihr zu Häupten
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Sie belauscht' ein arger Entenjäger,
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Den das Glück auf jenen Baum getrieben;
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Und ich mußte mich zusammenfassen,
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Nicht wie reife Frucht vom Baum zu fallen,
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Während ich in meinem Sinn erdauert',
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Was zum Heil der Schönen zu beginnen?
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Schweigen, fand ich, ist das Heil für alle;
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Wenn ich schweig von dem, was ich gesehen,
54
Ist mir wohl und ihr nicht weh geschehen!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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