Klage der Magd

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Gottfried Keller: Klage der Magd (1854)

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Nun ist der Lenz gekommen,
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Nun blühen alle Wiesen,
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Nun herrschen Glanz und Freude
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Auf Erden weit und breit;
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Nur meine böse Herrin,
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Sie keift und zetert immer
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Noch wie in der betrübten
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Und kalten Winterzeit!

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Wenn ich am frühen Morgen
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Mit aufgewachtem Herzen
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Im Garten grab und singe,
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Die Welt mir freundlich blickt,
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Wirft sie mir aus dem Fenster
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Die ungefügen Worte,
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Daß rasch in meiner Kehle
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Das kleine Lied erstickt.

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Und wenn mein Vielgeliebter
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Am Hag vorüberwandelt
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Und ein paar warme Blicke
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Mir in die Seele warf,
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Höhnt sie am Mittagsmahle,
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Daß ich am untern Ende
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Das Auge nicht erheben
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Und mich nicht rühren darf,

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Daß hungernd ich, mit Tränen,
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Das Essen stehenlassen
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Und mich hinweg muß wenden
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Voll Scham und voll Verdruß
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Und weinend im Verborgnen
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Die Rinde harten Brotes
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Mit all den harten Reden
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Hinunterwürgen muß.

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Sogar wenn ich am Sonntag
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Will in die Kirche gehen
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Und mir ein armes Bändchen
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Am Hals nicht übel steht,
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Vergiftet sie mir neidisch
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Mit ungerechtem Tadel
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Die wochenmüde Seele,
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Das tröstliche Gebet.

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Mag selber sie nur beten,
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Daß ihre eignen Kinder
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Nicht einmal dienen müssen,
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Wenn ihr das Glück entschwand
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Und sie als arme Mutter
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Wird um die Häuser schleichen,
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Wo jene sind geschlagen
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Von böser Herrenhand!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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