Den niemand kommen hört und kommen sieht

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Gottfried Keller: Den niemand kommen hört und kommen sieht Titel entspricht 1. Vers(1854)

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Den niemand kommen hört und kommen sieht,
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Er hat geweht, der Wind, den Baum geschwungen,
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Des Wurzelwerk die Erde überzieht,
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In dessen Kron ich dieses Lied gesungen;
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Das jüngste Knösplein, gestern dran erblüht,
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Hat über Nacht sich leise losgerungen;
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Es fiel, und niemand gab wohl weiter acht
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Als ich, der mit dem Zufall hielt die Wacht.

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So bist erlöscht du, lieblich junges Licht,
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Das mir erquickend in das Herz gezündet?
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Noch sprach zwei Wörtchen deine Zunge nicht,
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Doch hat dein Lallen mir soviel verkündet!
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Das Sehnen, das die zartsten Bande flicht,
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Es hat tiefinnig mich mit dir verbündet;
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Ja, vor viel Großem unter dieser Sonnen
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Hab ich dich kleinen Nachbar wert gewonnen!

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Ob ich gen Himmel sah ins blaue Meer,
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Ob in dein Aug, es war das gleiche Schauen;
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Es leuchtete aus diesen Sternen her
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Ursprünglich helles Licht von schönern Auen.
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Wie oft senkt ich den Blick, von Mühsal schwer,
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Ihn frischend, tief in dies verklärte Blauen!
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Wie war das Lachen deines Mundes fein!
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Wie echt war unsre Freundschaft, still und rein!

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Nie hab an deine Zukunft ich gedacht,
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War ja die Gegenwart so klar und heiter!
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Du hast wie eine Blume mir gelacht,
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Nicht dacht ich an gereifte Früchte weiter;
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Ob einst vielleicht ein Held in dir erwacht',
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Ob du am Fuße bliebst der langen Leiter:
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Du lieblich Kind warst in dir selbst vollkommen –
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Was sollte dir und mir die Sorge frommen?

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Zu der du wiederkehrst, grüß mir die Quelle,
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Des Lebens Born, doch besser: grüß das Meer,
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Das
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Hoch flutet um die dunkle Klippe her,
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Darauf er sitzt, der traurige Geselle,
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Der Tod, verlassen, einsam, tränenschwer,
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Wenn ihm die Seelen, kaum hier eingefangen,
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Laut jubelnd wieder in die See gegangen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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