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Nachdem wir nun begraben, was das letzte
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Jahrhundert, das wir lebten, groß gemacht
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Und reich, an Schicksal wie an Taten,
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An hochgespanntem Denken und Empfinden,
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Erhöhten Seins, voll Geisterseligkeit –
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So übrigt uns, gleich armen Ährenlesern,
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Die Gräber überspringend, rückzugreifen
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Und den erwählten Tagen nachzugehn,
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Die all dies Leben uns ans Licht geboren.
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Denn nach dem einzeln messen wir die Menschheit,
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Bis uns das Maß der matten Hand entsinkt
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Und wir dahingehn, ungewiß, ob einst
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Das Ganze größer als der Teil wird werden.
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Heut ist der Ehrentag der schwäb'schen Mutter,
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Die ihre Freude an die Brust gelegt,
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Nicht ahnend, was der Welt sie weihvoll brachte.
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Ein weis Gesetz verhüllt, wie aller Liebe,
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So auch der unschuldvollen Mütter Auge;
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Denn wüßten sie, was sie auf Händen tragen,
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So schlüge hochverwirrt ihr weiches Herz
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Vor Stolz und Wonne oder auch vor Grauen
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Und stürmisch flöß dem Kind die weiße Nahrung,
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Das erste süße Mittel wider 'n Tod.
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Doch heute, wo der Tag sich hundertmal
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Ruhmvoll erneut und hundertfältig leuchtet,
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Heut schaun wir sehnsuchtsvoll den lichten Mann,
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Den jene Sonne uns heraufgebracht,
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Und sehen seine morgenrote Bahn
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Mit hellem Vorwurf uns herüberglänzen
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Auf dieses Brachfeld einer Zwischenzeit.
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Und wo im weiten Reich des deutschen Wortes,
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Und wo es wanderlustig hingezogen,
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Sich überm Meer Kraft und Gestalt zu suchen,
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Drei Männer sind, die nicht am Staube kleben,
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Da denken sie bewegt an
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Und mit ihm an das Beste, was sie kennen!
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Er aber ruft aus seinem ew'gen Morgen:
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»ich steh euch fest und steh euch unbezwinglich!
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Und hilft's euch nicht, so steh ich euern Kindern,
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Und auch den Kindern steh ich eurer Kinder,
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Bis sie gelernt, mit reiner, starker Hand
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Das alte Sehnen frei sich zu erfüllen
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Und meisterlich zu leben, wie sie denken!«
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Wir aber an der Grenzmark seiner Sprache,
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Wir hier im alten ehrenreichen Bern,
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Der neuen Bundesstadt der Eidgenossen,
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Wir rufen seinen Schatten, wohlbewußt
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Des, was wir tun, laut her in unsre Mitte!
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Wir richten auf sein Bild in unsern Herzen
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Und wissen zwiefach wohl, warum wir's tun!
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Zwar lehret nicht die Not des Tages uns
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Zu solchen Sternen aus Verzweiflung beten;
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Denn treulich fest bestehn wir unser Dasein
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Und hoffen Daseinsrecht auch zu erhärten,
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Sobald die Stunde nicht mehr säumt, die drohend
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Uns einen Frager vor die Schwelle führt.
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Ob wir in unserm Land gelassen hausen,
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Ob regen Sinnes in die Ferne schweifen,
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Wir schaffen allwärts recht und schlecht das Unsre;
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Nie rühret uns, was unerreichbar ist.
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Auch kitzelt uns nicht müßige Verehrung,
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Ein Bild zu schaffen und es anzubeten,
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Weil stolz bescheiden wir uns rühmen dürfen:
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So manchen guten Mann wir unser nennen,
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Die Quelle seines Wertes springt im Volke,
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Und was er ist, dankt jeder dieser Quelle.
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Und dennoch preisen wir des Tages Helden
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Im wohlerwognen Sinn für künft'ge Tage.
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Uns hat das Schwert das Vaterland gegründet,
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Wie's uns behagt, ein warm gebautes Haus.
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Die eigne Treu, dazu die Gunst des Himmels,
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Ein freundlich Glück im Sturmgewog der Zeiten
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Erhielten uns das Haus mit seinem Wappen.
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Doch was der Väter Schwert nachhaltig schuf,
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Was der Geschlechter treue Denkart wahrte
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Und was des Himmels Sonne hell besiegelt:
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Nicht ist es uns ein Bett der trägen Ruhe,
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Der Buhlerin des grauen Unterganges!
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Nein, rüstig leben wir und tun es kund
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Im rastlos wachen Fleiß, der sich ergeht
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In Talesgründen und auf luft'gen Höhen,
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Und unsre hurt'gen Wasser treiben lachend,
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Das Land durcheilend, tausend schnelle Räder.
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Auf allen Meeren schwimmen unsre Güter,
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Und wo die großen Völker ihre Märkte
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Wetteifernd halten, breitet auch der Schweizer
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Rühmlich die reichgehäuften Waren aus.
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Zugleich wird fort und fort das alte Schwert
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Mit neuem Eifer vorbedacht geschliffen,
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Dem ärmsten Mann im Land zu Trost und Freude.
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In hellen Sälen wird Vertrag und Recht,
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Gesetz und Ordnung forschend ausgebildet,
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Wie es das wechselvolle Leben heischt;
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Und selbst der Gegensätze zorn'ge Flammen
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Besiegt die stärkre Hand des guten Willens,
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Der nicht vergeblich in die Schule ging.
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Doch ist der Augenblick uns nicht das Höchste!
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Drum führt der kinderfrohe Schweizermann
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Der Jugend Scharen auf die freien Fluren,
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Da läßt er kühn sie in der Sonne spielen,
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An Tage sinnend, wo er nicht mehr lebt;
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Und denkt er ehrend der Vergangenheit:
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Des Landes Hoffnung liebt er wie sich selbst.
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Der Enkel Wohlfahrt wägt er als die eigne;
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Das ist die schönste Krone, die ihn ziert.
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Das ist das Wort! und mutig sag ich es:
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Vorüber sind die halbbewußten Tage
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Unsichern Werdens und dämon'schen Ringens!
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Und freudig sag ich: Unserer Geschichten
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Sei nur das erste Halbteil nun getan!
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So gilt es auch, die andre schuld'ge Hälfte
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Mit unerschlaffter Hand heranzuführen,
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Daß hell das Ende, das uns einst beschieden,
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Sich in des Anfangs fernem Glanze spiegle
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Und daß es heißt: was diese werden konnten,
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Das haben sie voll Lebensmut erfüllt!
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Auf! schirrt die Wagen! bewimpelt eure Schiffe,
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Ins Reich der dunklen Zukunft auszufahren,
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Ein einig, durchgebildet Volk von Männern,
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Das redlich selbst sich prüft und kennt und dennoch
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In ungetrübter Frische lebt und wirkt,
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Daß seine Arbeit festlich schön gelingt
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Und ihm das Fest zur schönsten Arbeit wird!
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Zur höchsten Freiheit führt allein die Schönheit;
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Die echte Schönheit nur erhält die Freiheit,
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Daß diese nicht vor ihren Jahren stirbt.
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Vollkraft und Ebenmaß gibt sie dem Denken,
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Schon eh es sinnlich sich zur Tat verkörpert,
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Und knechtisch ist das unschön Mißgestalte
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Im Keim verborgener Gedanken schon.
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Drum gelt es uns, ein hohes Ziel zu stellen:
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Da nun die niedern Mächte überwunden,
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Die gröbern Elemente sich gefüget,
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Laßt uns der Schönheit einen Ort bereiten,
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Daß sie das Eigenart'ge und Besondre,
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Was uns beschränkt, frei mit der Welt verbinde
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Und auch bei uns zugleich Gestalt erwerbe,
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Sie, die oft heimatlos im Äther wohnt!
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Sie klärt des Priesters Wort zur reinen Liebe,
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Sie hellt dem Ratsmann trefflich den Verstand,
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Sie macht des Kriegers Waffen scharf und glänzend;
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Dem Werkmann adelt sie die harte Arbeit,
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Erhebt den Kaufmann über die Gefahr,
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Sein Herz in seinen Schätzen zu begraben,
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Und schützt, wie vor dem Rost des rohen Geizes,
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Vor weichlicher Entnervung seinen Sinn;
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Und selbst der Leidenschaft, die nimmer stirbt,
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Nimmt sie das Gift, das zum Verderben führt.
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Um alle windet sie ein Zauberband,
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Das gleich uns macht im edlem Sinn des Wortes,
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Wertvoll und fähig zu der Freiheit Zwecken.
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Nicht ist's die Schönheit, die Despoten pflegen,
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Der Unterworfnen blödes Aug zu blenden,
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Mit trügerischem Reiz das Land betörend!
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Und nicht die Schönheit, die verfallne Völker
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Mit Tonnen Goldes auf dem Markte kaufen,
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Zum Histrionendienste sie zu zwingen!
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Nicht ist's die Schönheit, die voll Eitelkeit
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Und Selbstsucht sich mit Pfauenfedern schmückt
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Und wie der Pfau von allen Dächern kräht!
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Und nicht die Schönheit, die, das Aug verdrehend,
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Mit matter Salbung schale Heuchler pred'gen,
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Die auf den Gassen mit der Halbheit buhlen,
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Der Dinge Wesen schwächlich übertünchend,
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Und mit dem unerschöpften Redeschwall
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Die Kraft zur schönen Tat im Keim ersticken!
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Die Schönheit ist's, die Friedrich Schiller lehrt,
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Die süß und einfach da am liebsten wohnt,
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Wo edle Sitte sich dem Reiz vermählt
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Und der Gedanken strenge Zucht gedeiht!
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Die Schönheit ist's, die nicht zum Ammenmärchen
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Die Welt uns wandelt und das Menschenschicksal,
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Zaghaft der Wahrheit heil'gem Ernst entfliehend –
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Nein! die das Leben tief im Kern ergreift
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Und in ein Feuer taucht, draus es geläutert
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In unbeirrter Freude Glanz hervorgeht,
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Befreit vom Zufall, einig in sich selbst
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Und klar hinwandelnd wie des Himmels Sterne!
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Die Schönheit ist's, die Friedrich Schiller lehrt
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Und die mit eignen Tagen er gelebt,
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Die jugendlich, ein schäumender Alpenstrom,
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Die erste Kraft im jähen Felssprung übt,
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Dann aber sich vertieft im klaren See
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Und auferstehend aus der Purpurnacht
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Dem Meer der Ewigkeit und der Vollendung
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Kraftvoll mit breiter Flut entgegenzieht!
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Ist uns ein Stern und Führer nun vonnöten,
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Des Schönen Schule stattlich aufzubaun:
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In unsre Berge, deren reine Luft
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Im Geist in vollen Zügen er geatmet
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Und sterbend in ein Lied hat ausgeströmt,
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Das uns allein schon eine hohe Schule
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Der wahren Schönheit ist, wie
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Die das Gewordene als edles Spiel verklärt,
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Das seelenstärkend neuem Werden ruft,
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Daß Dichtung sich und kräft'ge Wirklichkeit
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In reger Gegenspieglung so durchdringen,
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Wie sich, wo eine wärmre Sonne scheint,
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Am selben Baume Frucht und Blüten mengen,
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Bis einst die Völker selbst die Meister sind,
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Die dichtrisch handelnd ihr Geschick vollbringen.
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Ein großer Torso ist's, den heut wir feiern,
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Dem allzufrüh das große Leben brach;
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Und unermeßlich ist, was ungeschaffen
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Er mit hinab zur Nacht des Todes trug!
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Doch jeder Teil von ihm, der uns geblieben,
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Birgt in sich eine Welt urweiser Schönheit,
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Vollendet ans Unendliche sich knüpfend,
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Und lehrt uns so zu handeln, daß, wenn morgen
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Ein Gott uns jählings aus dem Dasein triebe,
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Ein fertig Geistesbild bestehenbliebe.