Rosenglaube

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Gottfried Keller: Rosenglaube (1854)

1
Dich zieret dein Glauben, mein rosiges Kind,
2
Und glänzt dir so schön im Gesichte!
3
Es preiset dein Hoffen, so selig und lind,
4
Den Schöpfer im ewigen Lichte!
5
So loben die tauigen Blumen im Hag
6
Die Wahrheit, die ernst sie erworben:
7
Solange die Rose zu denken vermag,
8
Ist niemals ein Gärtner gestorben!

9
Die Rose, die Rose, sie duftet so hold,
10
Ihr dünkt so unendlich der Morgen!
11
Sie blüht dem ergrauenden Gärtner zum Sold,
12
Der schaut sie mit ahnenden Sorgen.
13
Der gestern des eigenen Lenzes noch pflag,
14
Sieht heut schon die Blüte verdorben –
15
Doch seit eine Rose zu denken vermag,
16
Ist niemals ein Gärtner gestorben!

17
Drum schimmert so stolz der vergängliche Tau
18
Der Nacht auf den bebenden Blättern;
19
Es schwanket und flüstert die Lilienfrau,
20
Die Vögelein jubeln und schmettern!
21
Drum feiert der Garten den festlichen Tag
22
Mit Flöten und feinen Theorben:
23
Solange die Rose zu denken vermag,
24
Ist niemals ein Gärtner gestorben!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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