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Gottfried Keller: 7 (1854)

1
Dort gegen Westen, traulich unterm Dach,
2
Liegt hoch und abgeschieden das Gemach,
3
Das sich des Hauses Töchter jederzeit
4
Zu ihrem Allerheiligsten geweiht.

5
Es ist ein eng und niedrig Kämmerlein
6
Mit runden Scheiben und uraltem Schrein,
7
Drin Putz und Mädchenkleinod aller Art,
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In buntbemaltem Schachtelwerk verwahrt.

9
Am Fenster steht das Spinnrad und davor
10
Auf einem Brett der lang gehegte Flor,
11
Levkojen, Nelken, Rosen ohne End,
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Und wie man all das lose Zeug benennt.

13
Manch nächtlich Lied hat hier hinaufgetönt,
14
Und jene Fensterchen sind dran gewöhnt,
15
Geräuschlos blinkend, heimlich aufzugehn,
16
Geöffnet halbe Nächte durch zu stehn.

17
Und manche Leiter wurde aufgetürmt,
18
Die stille Liebeswarte kühn gestürmt,
19
Ob stets das Rosengitter widerstand,
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Gehört zu den Geheimnissen im Land.

21
Auch jetzt ist eine Leiter angelegt,
22
Die einen Schwarm berußter Männer trägt;
23
Im roten Mantel stürmet in die Tür
24
Ein Freiersmann mit flammendem Panier.

25
Und vor ihm fährt ein Knäuel, wirr und kraus,
26
Erschreckter Liebesgötter fliehend aus;
27
Das flattert irrend in der Frühlingsluft,
28
Auch riecht es wie verbrannten Ambers Duft.

29
Das ganze Fenstergärtlein stürzt herab
30
Und find't in einer Höllenglut sein Grab;
31
So ging's den Gärten der Semiramis
32
Und ging es noch mit jedem Paradies.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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