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Gottfried Keller: 3 (1854)

1
Von alter Zeit her war des Hauses Wand
2
Von wuchernd dichtem Efeu überspannt;
3
Den liebt' der Bauer, sonst so liebeleer,
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Weil er so gierig, alt und zäh, wie

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Nun brennt das dunkle Unkraut lichterloh
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Und flackert in der Luft wie leichtes Stroh;
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Wer glaubte, daß der alte, schwere Kranz
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So lustig hielte seinen Totentanz?

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Oho, was fliegt für Ungeziefer aus?
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In ganzen Schwärmen flieht die Fledermaus!
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Kreuzspinnen, Käfer, was da kriechen mag,
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Erlebt im Feuer seinen Jüngsten Tag.

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Was von Gespenstern und von Koboldsbrut,
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Von alten Sünden auf dem Hause ruht,
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Und was es sonst für Spuk und Sagen gab,
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Brennt mit den dicken Efeuranken ab.

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Was mag wohl schimmern dort, und, seh ich recht?
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Was löst sich aus dem brennenden Geflecht
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Und poltert da zu meinen Füßen her?
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Ein tüchtig Kruzifix, von Silber schwer!

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Einst riß der Ahn, es sind dreihundert Jahr,
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Das Bild als Bilderstürmer vom Altar;
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Es blieb im grünen Rankenwerk versteckt,
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Nun endlich hat's das Feuer aufgedeckt.

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Zwar munkelt man, daß in verschloßner Brust
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Die Enkel jederzeit davon gewußt:
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Sie hätten's nächtlich auf den Tisch gesetzt
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Und sich an dem Geflunker oft ergötzt.

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Eins tut mir leid: manch zierlich Schwalbennest
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Hing traulich in den wirren Ranken fest;
31
Wenn nun die liebe Schwalbe wiederkehrt,
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So findet sie ihr kleines Haus verheert.

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Doch tröste dich, o Vöglein altvertraut,
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Ist erst der neue Giebel aufgebaut,
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G'nug Winkel noch und Ecken findest du,
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Daran du bauen kannst in guter Ruh!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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