Da lieg ich denn, ohnmächtiger Geselle

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Gottfried Keller: Da lieg ich denn, ohnmächtiger Geselle Titel entspricht 1. Vers(1854)

1
Da lieg ich denn, ohnmächtiger Geselle,
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Ins Loch geworfen, wie ein Straßenheld,
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Ein lärmender, von der Empörung Welle;
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Ein blinder Maulwurf im zerwühlten Feld!

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Wohlan, ich will, was kommen soll, erwarten,
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Es ist am End ein friedlich Wohnen hier;
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Ich fühle nicht die Glieder, die erstarrten,
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Doch heiter glimmt die stille Seele mir!

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Hätt ich nun einen ewigen Gedanken,
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An dem man endlos sich erproben mag,
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So möcht ich liegen in den engen Schranken,
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Behaglich sinnend bis zum Jüngsten Tag.

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Vielleicht, wer weiß, wüchs er zu solcher Größe,
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Daß er, in Kraft sich wandelnd, ein Vulkan,
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Im Flammenausbruch dieses Grab erschlösse,
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Vorleuchtend mir auf neuer Lebensbahn!

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Wie wundersam, wenn über meinem Haupte
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Der Abendtau die matten Blumen kühlt!
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Ob wohl lustwandelnd dann der Pfarrherr glaubte,
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Daß unter ihm ein Wetterleuchten spielt?

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Daß glänzend in des eignen Lichtes Strahlen
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Hier unten eine Menschenseele denkt?
23
Vielleicht sind dieses der Verdammung Qualen:
24
Geheim zu leuchten, ewiglich versenkt!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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