Seht da den Vogel mit gerupften Schwingen!

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Gottfried Keller: Seht da den Vogel mit gerupften Schwingen! Titel entspricht 1. Vers(1854)

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Seht da den Vogel mit gerupften Schwingen!
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Halb flattert er, halb läuft er hin zum Neste,
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Sich einzubaun in weicher Arme Veste,
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Wohin kein rauhes Lüftchen mehr soll dringen!

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Doch war er frech und mochte Ruhm erringen;
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Sein Reisig grünt« und blühte schon aufs beste,
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In seinen Schatten lud er stolz die Gäste
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Und war so recht ein Thema zum Besingen.

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Nur als den Zweig dem freien Feld er raubte,
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Aus Luft und Licht, darin er aufgeschossen,
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Und sachte mit sich zu salvieren glaubte:

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Da war der Traum bald wie ein Schaum zerflossen;
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Das Reis verdorrt', das schon so nett belaubte –
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Nun zieht er ab, unfertig und verdrossen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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