Der Kirchenbesuch

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Gottfried Keller: Der Kirchenbesuch (1854)

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Wie ein Fischlein in dem Garn
2
Hat der Dom mich eingefangen,
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Und da bin ich festgebannt –
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Warum bin ich dreingegangen?
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Ach, wie unter breiten Malven
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Taubesprengt ein Röslein blitzt,
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Zwischen guten Bürgerfrauen
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Hier mein feines Liebchen sitzt!

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Die Gemeinde schnarcht so sanft,
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Wie das Laub im Walde rauschet,
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Und der Bettler an der Tür
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Als ein Räuber guckt und lauschet;
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Doch wie eines Bächleins Faden
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Murmelnd durchs Gebüsche fließt,
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So die lange dünne Predigt
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Um die Pfeiler sich ergießt.

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Eichenbäume, hoch und schlank,
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All die gotischen Pfeiler ragen;
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Ein gewölbtes Blätterdach
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Ihre krausen Äste tragen;
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Untenher spielt hin und wieder
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Dämmerhaft ein Sonnenschein;
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Wachend sind in dieser Stille
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Nur mein Lieb und ich allein.

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Zwischen uns webt sich ein Netz
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Von des Lichts gebrochnem Strahle,
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Drin der Taufstein, grün und rot,
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Wandelt sich zur Blumenschale;
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Ein geflügelt Knäblein flattert
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Auf des Deckels altem Knauf,
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Und es gehen uns im Busen
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Auch der Sehnsucht Rosen auf.

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Weit hinaus, ins Morgenland,
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Komm, mein Kind, und laß uns fliegen,
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Wo die Palmen schwanken am Meer
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Und die sel'gen Inseln liegen,
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Flutend um die große Sonne
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Grundlos tief die Himmel blaun:
39
Angesichts der freien Wogen
40
Unsre Seelen frei zu traun!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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