Der Nachtschwärmer

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Gottfried Keller: Der Nachtschwärmer (1854)

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Von heißer Lebenslust entglüht,
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Hab ich das Sommerland durchstreift,
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Darüber ist der Tag verblüht
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Und zu der schönsten Nacht gereift.
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Ich steige auf des Berges Rücken
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Zur Kanzel von Granit empor
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Und beuge mich mit trunknen Blicken
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In die entschlafne Landschaft vor.

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Am andern Berge drüben steht
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Im Sternenschein der Liebe Haus,
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Aus seinem offnen Fenster weht
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Ein Vorhang in die Nacht hinaus;
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Das ist fürwahr ein luftig Gitter,
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Das mir das Fräulein dort verschließt,
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Nur schade, daß mir armem Ritter
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Der tiefe Strom dazwischen fließt!

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So will ich ihr ein Ständchen bringen,
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Das weithin durch die Lüfte schallt,
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Und spiele du zu meinem Singen,
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O Geist der Nacht, auf Tal und Wald!
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Den Wind laß mit den Tannen kosen,
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Die wie gespannte Saiten stehn,
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Und mit der Wellen fernem Tosen
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Der Nachtigallen Chor verwehn!

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Im Osten zieht ein Wetter hin,
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Das stellen wir als Helfer an:
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Wie leuchtend schwingt sein Tamburin
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Am Horizonte der Titan!
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Die Mühlen sind die Zitherschläger
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Beim Wassersturz im Felsengrund;
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Im Wagen fährt mein Fackelträger
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Hoch vor mir her am Himmelsrund!

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Nun will ich singen überlaut
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Vor allem Land, das grünt und blüht,
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Es ist kein Turm so hoch gebaut,
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Darüberhin mein Sang nicht zieht!
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So eine kühne Brücke schlagend,
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Such ich zu ihrem Ohr den Weg:
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Betritt im Traum das Seelchen zagend
40
Des wilden Lärmers schwanken Steg?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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