Land im Herbste

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Gottfried Keller: Land im Herbste (1879)

1
Die alte Heimat seh ich wieder,
2
Gehüllt in herbstlich feuchten Duft;
3
Er träufelt von den Bäumen nieder,
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Und weithin dämmert grau die Luft.

5
Und grau ragt eine Flur im Grauen,
6
Drauf geht ein Mann mit weitem Schritt
7
Und streut, ein Schatten nur zu schauen,
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Ein graues Zeug, wohin er tritt.

9
Ist es der Geist verschollner Ahnen,
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Der kaum erstrittnes Land besät,
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Indes zu Seiten seiner Bahnen
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Der Speer in brauner Erde steht?

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Der aus vom Kampf noch blut'gen Händen
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Die Körner in die Furche wirft,
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So mit dem Pflug von End zu Enden
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Ein jüngst vertriebnes Volk geschürft?

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Nein, den Genossen meines Blutes
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Erkenn ich, da ich ihm genaht,
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Der langsam schreitend, schweren Mutes
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Die Flur bestäubt mit Aschensaat.

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Die müde Scholle neu zu stärken,
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Läßt er den toten Staub verwehn;
23
So seh ich ihn in seinen Werken
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Gedankenvoll und einsam gehn.

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Grau ist der Schuh an seinem Fuße,
26
Grau Hut und Kleid, wie Luft und Land;
27
Nun reicht er mir die Hand zum Gruße
28
Und färbt mit Asche mir die Hand.

29
Das alte Lied, wo ich auch bliebe,
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Von Mühsal und Vergänglichkeit!
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Ein wenig Freiheit, wenig Liebe,
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Und um das Wie der arme Streit!

33
Wohl hör ich grüne Halme flüstern
34
Und ahne froher Lenze Licht;
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Wohl blinkt ein Sichelglanz im Düstern,
36
Doch binden

37
Wir dürfen selbst das Korn nicht messen,
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Das wir gesät aus toter Hand;
39
Wir gehn und werden bald vergessen,
40
Und unsre Asche fliegt im Land!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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