Frühling des Armen

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Gottfried Keller: Frühling des Armen (1854)

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Der Lenzwind tanzt auf Berg und Heide,
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Jung Ivo taumelt wie im Traum,
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Und zierlich schürzt die Birk den Saum
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An ihrem grünen Seidenkleide.
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Sein Bündelchen im tollen Reigen
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Wirft er empor zum lust'gen Ritt:
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»o Birke! wieg auf deinen Zweigen
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Mein armes Ränzel freundlich mit!

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Was macht der Heide Glanz so traurig
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Mein arm unwissend Bubenherz?
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Was bettelt es und was begehrt's,
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Das mich durchwallt so süß und schaurig?
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Tief möcht ich in den Himmel greifen,
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Und meine Lippen zucken leis –
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O könnt ich singen oder pfeifen,
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Was mir im Blute gärt so heiß!

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Am Bach sah ich mein Mädchen stehen,
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O traute Birk! im Morgenstrahl,
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Dann aber froh aus unserm Tal
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Mit Wanderschritten eilend gehen.
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Sie ist dies Jahr so schön geworden,
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Ich sah's mit jähem Schrecken ein!
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Was aber soll im Bettlerorden
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Der reichen Schönheit Prunk und Schein?

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Was schiert mich all dies stolze Blühen?
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Beschränke dich, du eitle Brust!
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Umsonst! mich will die fremde Lust
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Weit in die dunkle Ferne ziehen;
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Du liebe Schwester Birke, senke
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Mein Säcklein wieder frei herab
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Und einen deiner Äste schenke
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Mir noch zum grünen Bettelstab!

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Ich wandre, bis das Land ich finde,
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Das beßre, wo der ärmste Mann
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Ein Quentlein Hoffnung kaufen kann
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Für einen Deut von Birkenrinde.
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Dann wird mein Stecken bald zu Golde,
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Das schönste Schloß erstürm ich frisch,
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Drin sitzt als Glück mein Kind, das holde,
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Und winkt mir lächelnd an den Tisch!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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