Frühlingsglaube

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Gottfried Keller: Frühlingsglaube (1854)

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Es wandert eine schöne Sage
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Wie Veilchenduft auf Erden um,
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Wie sehnend eine Liebesklage
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Geht sie bei Tag und Nacht herum.

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Das ist das Lied vom Völkerfrieden
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Und von der Menschheit letztem Glück,
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Von goldner Zeit, die einst hienieden,
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Der Traum als Wahrheit, kehrt zurück;

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Wo einig alle Völker beten
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Zum
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Von jenem Tag, wo den Propheten
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Ihr leuchtend Recht gesprochen wird.

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Dann wird's nur
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Nur
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Des Eigen-Neides Widerstreben,
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Der es für Traum und Wahnsinn hält.

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Wer jene Hoffnung gab verloren
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Und böslich sie verloren gab,
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Der wäre besser ungeboren;
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Denn lebend wohnt er schon im Grab.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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