Sonnenuntergang

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Gottfried Keller: Sonnenuntergang (1854)

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In Gold und Purpur tief verhüllt
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Willst du mit deiner Leuchte scheiden,
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Und ich, noch ganz von dir erfüllt,
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Soll, Sonne, dich nun plötzlich meiden?
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Du hast mein Herz mit Lust entzündet,
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Du allerschönste Königin!
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Wenn mir dein Strahlenantlitz schwindet,
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Ist nicht das Leben tot und hin?

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O reiche mir noch
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Des Lichtes, daß er auf mich falle
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Und ich aus diesem Dämmertal
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An deiner Hand hinüberwalle!
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Laß mich an deinem Hofe weilen,
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Als lichte leichte Wolke nur,
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Vor deinem Zuge kündend eilen
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Als deines Glanzes schwächste Spur!

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Sie geht, ich wende bang mich ab,
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Es dünkt die Welt mich eine Kohle;
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Was jüngst nur Klarheit wiedergab,
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Stäubt, Asche, unter meiner Sohle. –
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Doch schau, wie ich gen Osten kehre,
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Taucht mir ein neues Wunder auf:
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Im rosig milden Nebelmeere
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Beginnt der Silbermond den Lauf!

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Der nach verlornen Strahlen jagt,
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Ist er der Sonne Ährenleser?
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Ist er, bis sie im Osten tagt,
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Der goldnen Herrin Reichsverweser?
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Ach, unsrer armen Mutter Erde
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Ist er ja nur ein Lehenmann;
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Und seht, mit glänzender Gebärde
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Tut er die Lehnspflicht, wie er kann!

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Er trägt das Licht durch Nacht und Graun
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Getreu auf sanft erhellten Wegen,
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Bis wir den Morgen wieder schaun
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Und frisch die Erde taut im Segen.
37
Die Liebe wird den Ruhm nicht mindern,
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Wenn Kleine mit den Kleinern gehn:
39
Die Sonne selbst samt ihren Kindern
40
Muß sich um größre Sterne drehn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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