Nachtfalter

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Gottfried Keller: Nachtfalter (1854)

1
Ermattet von des Tages Not und Pein,
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Die nur auf Wiedersehen von mir schied,
3
Saß ich und schrieb bei einer Kerze Schein,
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Und schrieb ein wild und gottverleugnend Lied.
5
Doch draußen lag die klare Sommernacht,
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Mild grüßt mein armes Licht der Mondenstrahl,
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Und aller Sterne volle goldne Pracht
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Schaut hoch herab auf mich vom blauen Saal.
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Am offnen Fenster blühen dunkle Nelken,
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Vielleicht die letzte Nacht vor ihrem Welken.

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Und wie ich schreib an meinem Höllenpsalter,
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Die süße Nacht im Zorne von mir weisend,
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Da schwebt herein zu mir ein grauer Falter,
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Mit blinder Hast der Kerze Docht umkreisend;
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Wohl wie sein Schicksal flackerte das Licht,
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Dann züngelt' seine Flamme still empor
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Und zog wie mit magnetischem Gewicht
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Den leichten Vogel in sein Todestor.

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Ich schaute lang und in beklommner Ruh
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Mit wunderlich neugierigen Gedanken
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Des Falters unheilvollem Treiben zu.
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Doch als, zu nah der Flamme schon, fast sanken
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Die Flügel, faßt ich ihn mit schneller Hand,
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Zu seiner Rettung innerlich gezwungen,
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Und trug ihn weg. Hinaus ins dunkle Land
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Hat er auf raschem Fittich sich geschwungen.

27
Ich aber hemmte meines Liedes Lauf
28
Und hob den Anfang bis auf weitres auf.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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