Unruhe der Nacht

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Gottfried Keller: Unruhe der Nacht (1854)

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Nun bin ich untreu worden
2
Der Sonn und ihrem Schein;
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Die Nacht, die Nacht soll Dame
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Nun meines Herzens sein!

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Sie ist von düstrer Schönheit,
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Hat ein bleiches Nornengesicht,
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Und eine Sternenkrone
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Ihr dunkles Haupt umflicht.

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Heut ist sie so beklommen,
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Unruhig und voller Pein;
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Sie denkt wohl an ihre Jugend –
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Das muß ein Gedächtnis sein!

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Es weht durch alle Täler
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Ein Stöhnen, so klagend und bang;
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Wie Tränenbäche fließen
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Die Quellen vom Bergeshang.

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Die schwarzen Fichten sausen
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Und wiegen sich her und hin,
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Und über die wilde Heide
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Verlorene Lichter fliehn.

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Dem Himmel bringt ein Ständchen
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Das dumpf aufrauschende Meer,
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Und über mir zieht ein Gewitter
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Mit klingendem Spiele daher.

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Es will vielleicht betäuben
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Die Nacht den uralten Schmerz?
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Und an noch ältere Sünden
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Denkt wohl ihr reuiges Herz?

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Ich möchte mit ihr plaudern,
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Wie man mit dem Liebchen spricht –
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Umsonst, in ihrem Grame
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Sie sieht und hört mich nicht!

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Ich möchte sie gern befragen
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Und werde doch immer gestört,
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Ob sie vor meiner Geburt schon
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Wo meinen Namen gehört?

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Sie ist eine alte Sibylle
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Und kennt sich selber kaum;
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Sie und der Tod und wir alle
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Sind Träume von einem Traum.

41
Ich will mich schlafen legen,
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Der Morgenwind schon zieht –
43
Ihr Trauerweiden am Kirchhof,
44
Summt mir das Schlummerlied!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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