Schlafwandel am Tage

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Gottfried Keller: Schlafwandel am Tage (1850)

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Im afrikanischen Felsental
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Marschiert ein Bataillon,
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Sich selber fremd, eine braune Schar
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Der Fremdenlegion;
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Lang ist ihr wildes Lied verhallt
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In Sprachen mancherlei,
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Stumm glüht der römische Schutt am Weg,
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Schlafend ziehn sie vorbei.

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Unter der Trommel vorgebeugt
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Der schlafende Tambour geht,
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Es nickt der Kommandant zu Roß,
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Von webender Glut umweht;
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Es schläft die Truppe, Haupt für Haupt
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Unter der Sonne gesenkt,
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Von der Gewohnheit Eisenfaust
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In Schritt und Tritt gelenkt.

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Und was sonst in der dunklen Nacht
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Das enge Zelt nur sieht,
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Wird unterm offnen Himmelblau
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Vom Wüstenlicht durchglüht.
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Es spielt das schmerzliche Mienenspiel
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Unglücklichen Manns, der träumt,
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Von Gram und Leid und Bitterkeit
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Ist jeglicher Mund umsäumt.

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Es zuckt die Lippe, es zuckt das Aug,
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Auf dürre Wangen quillt
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Die unbemeisterte Träne hin,
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Vom Sonnenbrand gestillt.
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Sie schaun ein reizend Spiegelbild
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Vom kühlen Heimatstrand,
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Das grüne Kleefeld, rot beblümt,
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Die Mutter, die einst den Sohn gerühmt,
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Verlornes Vaterland!

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Ein Schuß – da flattert's weiß heran,
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Und schon steht das Quarré
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Schlagfertig und munter, und keiner sah
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Des andern Reu und Weh;
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Nur zorniger ist jeder Mann
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Und ihm willkommen der Streit;
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Doch wie er kam, zerstiebt der Feind,
41
Wie Traum und Reu so weit!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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