Zum Gerichte rief der Frühling

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Gottfried Keller: Zum Gerichte rief der Frühling Titel entspricht 1. Vers(1850)

1
Zum Gerichte rief der Frühling.
2
Und mit Strenge zu verfahren
3
Gegen ketzerisch verstockte
4
Übelsinnige Verzweiflung,
5
Haben Seine Heiligkeit
6
Bei der Sonne Glanz geschworen!

7
Und in grünem Feuer flammen
8
Alle Bäume nun auf Erden;
9
Jeder Baum ist eine Flamme!
10
Und geschürt sind alle Gluten,
11
Angefacht glühn alle Rosen,
12
Während die schismatisch grauen
13
Aufgelösten Nebelflocken
14
Klagend durch die Lüfte flattern,
15
Gleich verbrannter Ketzer Asche!
16
Doch der heilig ernste Himmel
17
Läßt sie ohne Spur verschwinden,
18
Und er schaut ins grüne Feuer
19
Mit erbarmungsloser Bläue.

20
Habt ihr jetzo unter euch
21
Einen schlimmen und verschrobnen,
22
Heuchlerischen und verstockten
23
Und verbohrten Hypochonder,
24
Der da zwischen Gut und Böse
25
Eigensinnig schwankt und zweifelt,
26
Weder warm noch kalt kann werden
27
Oder zu gerechtem Argwohn
28
Grund gibt, daß sein schwarzes Innres
29
Wohl ein ungeheures hohles,
30
Aufgeblasnes Schisma berge:

31
Diesen legt nun auf die Folter,
32
Diesen lasset nun bekennen!
33
Bindet ihn mit jungem Efeu,
34
Werft ihn nieder auf die Rosen!
35
Gießt ihm Wein auf seine Zunge,
36
Flüssig heißes Gold des Weines,
37
Das den Mann zum Beichten zwingt,
38
Glas auf Glas, bis er bekennt!

39
Zeiget sich ein Hoffnungsfunken,
40
Nur ein Funken heitren Glaubens,
41
Nur ein Strahl des guten Geistes:
42
O so stellt ihn auf zur Linken,
43
Zur Belehrung und zur Beßrung,
44
O so stellt ihn, wo das Herz schlägt,
45
Auf der Menschheit frohe Linke,
46
Auf des Frühlings große Seite!

47
Sollt es sich jedoch ereignen,
48
Daß das peinliche Verfahren
49
Nichts enthüllte, nichts verriete,
50
Was da nur der Rede wert –
51
Das Delirium des Rausches
52
Selbst nur eine dunkle Leere
53
Vor den Richtern offenbarte:
54
Schleunig laßt den Sünder laufen!
55
Jagt ihn stracks zur schnöden Rechten,
56
Wo Geheul und Zähneklappen,
57
Dummheit und Verdammnis wohnen!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.