Rot

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Gottfried Keller: Rot (1850)

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»ich bin rot und hab's erwogen
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Und verkünd es unverweilt!
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Und geköpft sei jeder, welcher
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Das Prinzip nicht mit mir teilt!«

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Also in des Baders Stube
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Hört ich einen, der dies sprach,
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Eben als 'nem feisten Bäcker
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Jener in die Ader stach.

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Und des Blutes muntrer Bogen
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Aus dem dicken drallen Arm
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Fiel dem Sprecher auf die Nase,
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Sie begrüßend freundlich warm!

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Bleich entsetzt fuhr er zusammen,
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Wusch darauf sich siebenmal;
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Doch noch lang rümpft' sich die Nase,
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Fühlt' noch lang den warmen Strahl.

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Eine Ros' im Wetterscheine
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Sah ich blühen brennend rot;
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Einen Becher sah ich glühen,
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Der noch tiefre Röte bot!

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Aber rief etwa die Knospe
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Vorher, daß sie rot wollt sein?
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Schrie der junge grüne Weinstock:
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Ich will geben roten Wein?

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Nein, der ewig goldengrüne
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Baum des Lebens tut das nie,
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Das tut nur die ewig graue,
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Graue Eselstheorie!

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Manches Brünnlein mag noch springen
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In das Gras mit rotem Schein;
31
Doch der Freiheit echter, rechter
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Letzter Sieg wird trocken sein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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