16. Die schöne Wirtin

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Gottfried Keller: 16. Die schöne Wirtin (1854)

1
Alle meine Weisheit hing in meinen Haaren,
2
Und all mein Wissen lag auf meinem roten Mund,
3
Alle meine Macht saß auf dem sternenklaren,
4
Ach, auf meiner Augen blauem, blauem Grund!

5
Hundert Schüler hingen an meinem weisen Munde
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Und ließen sich von meinen klugen Locken fahn,
7
Hundert Knechte spähten nach meiner Augen Grunde
8
Und waren ihrem Winken und Blinken untertan.

9
Nun hängt totenstill das Haar mir armem Weibe,
10
Wie auf dem Meer ein Segel, wenn keine Luft sich regt!
11
Und einsam klopft mein Herz in dem verlaßnen Leibe,
12
Wie eine Uhr vom Schwarzwald in leerer Stube schlägt!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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