12. Kunigunde

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Gottfried Keller: 12. Kunigunde (1854)

1
Das Köhlerweib ist trunken
2
Und singt im Wald;
3
Hört ihr, wie ihre Stimme
4
Im Grünen hallt?

5
Ruht auf der roten Nase
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Der Abendstrahl:
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Glüht sie, wie wilde Rosen
8
Im dunklen Tal.

9
Sie war die feinste Blume,
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Berühmt im Land;
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Es warben Reich' und Arme
12
Um ihre Hand.

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Sie trat in Gürtelketten
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So stolz einher;
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Den Bräutigam zu wählen
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Fiel ihr zu schwer!

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Da hat sie überlistet
18
Der rote Wein –
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Wie müssen alle Dinge
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Vergänglich sein!

21
Das Köhlerweib ist trunken
22
Und singt im Wald;
23
Wie durch die Dämmrung gellend
24
Ihr Lied erschallt!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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