4. Walpurgis

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Gottfried Keller: 4. Walpurgis (1854)

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Ich fürcht nicht Gespenster,
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Keine Hexen und Feen,
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Und lieb's, in ihre tiefen
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Glühaugen zu sehn.

5
Am Wald, in dem grünen
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Unheimlichen See,
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Da wohnet ein Nachtweib,
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Das ist weiß wie der Schnee.

9
Es haßt meiner Schönheit
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Unschuldige Zier;
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Wenn ich nächtlich vorbeigeh,
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So zankt es mit mir.

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Doch der Schein meiner Augen
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Und das Rot von meinem Mund
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Verscheuchen das Spukweib
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Alsbald auf den Grund.

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Jüngst, als ich im Mondschein
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Am Waldwasser stand,
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Fuhr sie auf ohne Schleier,
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Ohne alles Gewand!

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Es schwammen ihre Glieder
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In der taghellen Nacht;
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Der Himmel war trunken
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Von der höllischen Pracht.

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Aber ich hab entblößet
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Meine lebendige Brust;
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Da hat sie mit Schande
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Versinken gemußt!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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