Am Himmelfahrtstag

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Gottfried Keller: Am Himmelfahrtstag (1854)

1
Ausgestorben scheint die Stadt,
2
Weil, was Freude fühlt und Leben
3
Und ein gläubig Herz sich heben,
4
Sich hinaus begeben hat
5
Auf den See und auf die Berge;
6
Angefüllt wird jedes Tal;
7
Rühren muß sich Wirt und Ferge
8
In dem warmen Maienstrahl.

9
Von des Daches Giebel schau
10
Ich hinaus, o welch Gewimmel!
11
Ja, die Erde trägt gen Himmel
12
Menschenherz und grüne Au!
13
Siehe, wie lebend'ge Fahnen
14
Flattern dort am Berggeländer
15
Kinder, bunte Lenzgewänder,
16
Unter grünenden Platanen!

17
Einsam wehen hier die Linden
18
Dieser Stadt um stille Dächer –
19
Ach, wie einen leeren Becher
20
Muß ich die verlaßne finden,
21
Einen Becher, dessen Schein
22
Wird geflohn von jedem Munde
23
Und auf dessen dunklem Grunde
24
Ich der letzte Tropfen Wein!

25
In die kühle Dämmernacht
26
Meines Hauses steig ich nieder,
27
Wo mir meine jungen Lieder
28
Schlummern, bis ihr Tag erwacht;
29
Wo ein Strauß von Blütenzweigen
30
Drüber nickt mit stillem Neigen,
31
Mit erwartungsvollem Schweigen
32
Junge Rosen halten Wacht.

33
Was ich lange zögernd mied:
34
Nun in tiefer Einsamkeit
35
Schreib ich dieses letzte Lied,
36
Und der Hoffnung sei's geweiht,
37
Preis ihr, wenn sie endlich hält
38
Sich zur Himmelfahrt bereit!

39
O sie braucht nicht weit zu fahren,
40
Die den Himmel in sich wahrt:
41
Sie ist wie ein Heil'genschrein:
42
Außen lieblich bunt bemalet,
43
Doch verdeckt im Innern strahlet
44
Pures Gold und Edelstein.

45
Tu dich auf, o schöner Schrein,
46
Lasse deine Schätze funkeln!
47
Laß sie, blitzend hell, verdunkeln
48
Der Märtyrer blaß Gebein! –
49
Freiheitschwanger sind die Lüfte:
50
Flieg hinaus, mein Schwalbenzug!
51
Flattre hin, mein Liederflug,
52
Klingend durch die Frühlingsdüfte!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Gottfried Keller
(18191890)

* 19.07.1819 in Zürich, † 15.07.1890 in Zürich

männlich, geb. Keller

Schweizer Schriftsteller, Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.