Scherz

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Eduard Mörike: Scherz (1829)

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Einen Morgengruß ihr früh zu bringen,
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Und mein Morgenbrot bei ihr zu holen,
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Geh ich sachte an des Mädchens Türe,
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Öffne rasch, da steht mein schlankes Bäumchen
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Vor dem Spiegel schon und wascht sich emsig.
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O wie lieblich träuft die weiße Stirne,
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Träuft die Rosenwange Silbernässe!
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Hangen aufgelöst die süßen Haare!
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Locker spielen Tücher und Gewänder.
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Aber wie sie zagt und scheucht und abwehrt!
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Gleich, sogleich soll ich den Rückzug nehmen!
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»närrchen«, rief ich, »sei mir so kein Närrchen:
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Das ist Brautrecht, ist Verlobtensitte.
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Laß mich nur, ich will ja blind und lahm sein,
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Will den Kopf und alle beiden Augen
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In die Fülle deiner Locken stecken,
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Will die Hände mit den Flechten binden –«
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»nein, du gehst!« »Im Winkel laß mich stehen,
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Dir bescheidentlich den Rücken kehren!«
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»ei, so mag's, damit ich Ruhe habe!«
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Und ich stand gehorsam in der Ecke,
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Lächerlich, wie ein gestrafter Junge,
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Der die Lektion nicht wohl bestanden,
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Muckste nicht und kühlte mir die Lippen
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An der weißen Wand mit leisem Kusse,
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Eine volle, eine lange Stunde;
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Ja, so wahr ich lebe. Doch, wer etwa
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Einen kleinen Zweifel möchte haben
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(was ich ihm just nicht verargen dürfte),
30
Nun, der frage nur das Mädchen selber:
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Die wird ihn – noch zierlicher belügen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Eduard Mörike
(18041875)

* 08.09.1804 in Ludwigsburg, † 04.06.1875 in Stuttgart

männlich, geb. Mörike

deutscher Lyriker der Schwäbischen Schule, Erzähler und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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