Schwank: Von dem frommen adel

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Hans Sachs: Schwank: Von dem frommen adel (1562)

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Als zu Frankfurt vor manchem jar
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am Mein, der hauptstatte, da war
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eins tags gehalten halsgericht
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über gar ein jungen böswicht,
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gar ein hurtigen reutersmon,
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der war ein wolgestalt person,
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von leibe schön, gerad und lang,
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und het gar ein höflichen gang,
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in der kleidung geschmuckt und sauber,
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der war gewesen ein straßrauber,
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über welchen Augspurg die stat
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tausent gulden verbürget hat.
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disem solt man den kopf abhauen,
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ob welchem aber man und frauen
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gar ser großes mitleiden het.
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als man den verurteilen tet
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und zu dem gericht füret aus,
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bracht in für ein großes wirtshaus,
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darin vil fremdes adels lag,
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solten da machen ein vertrag
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mit der frenkischen ritterschaft.
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nun dise waren auch behaft
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in mitleiden und mit erbarmen,
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als sie sahen ausfürn den armen,
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so guter höflicher gestalt
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und doch kaum zweinzigjerig alt;
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da dauret sie das junge blut,
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wurden zu rat und wolgemut
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giengen hin für den öbern rat,
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und da auf demütigest hat
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der adel angelegt ein bit
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und vermeint, dem jungen darmit
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beim öbern rat hult zu erwerben,
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das er nit müß so ellent sterben,
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sonder würt von dem schwert erret.
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der öber rat da fragen tet:
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ir lieben getreuen, sagt an,
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wist ir, was der jung hat getan,
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darumb er sol werden gericht?
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der adel sprach: das wiß wir nicht,
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allein reut uns die jung person,
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umb den doch warlich iedermon
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ein sonderlich mitleiden hat.
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darauf antwort der öber rat:
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ir lieben getreuen, so wist,
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das der jung ein straßrauber ist,
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welcher den kaufleutn aus vertrauen
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etlich wegen hat aufgehauen,
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sie gfangen und geschetzet hart
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mit seiner rot auf dem Spessart,
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und hat auch sonst vil schadens ton;
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darumb wolt wir in richten lon.
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weil ir aber so große bit
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anlegt, wöll wir in richten nit,
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sonder zu eren euch gemein
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sol im das leben gschenket sein.
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ganz quitledig all seiner bant,
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iedoch sol er raumen das lant
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und nimmermer kommen darein,
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zu straf diser verhandlung sein.
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als nun der adel an dem ort
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vom öbern rat hört dise wort,
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da sprachens gleich mit entsatzung:
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wie? hat geraubet diser jung
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die kaufleut schon auf dem Spessart,
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und er ist doch nicht edler art?
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das hab wir nicht gewust vorhin,
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derhalb nur eilents mit im hin
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und laßt im nur sein kopf abschlagen!
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wolt der baurenknecht in den tagen
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sich mit raub auf dem Spessart nern,
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welches doch nur zustet mit ern
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dem frommen adel aller masen,
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den kaufleuten in busen blasen,
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das im die gülden heraus stieben?
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den die reisdienst gar hoch tunt lieben,
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die bei in bleiben hin biß her
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nur tapfer gute reutersmer.
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darmit der from adel abschid
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und war des urteils wol zu frid.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Hans Sachs
(14941576)

* 14.11.1494 in Nürnberg, † 29.01.1576 in Nürnberg

männlich, geb. Sachs

Nürnberger Schuhmacher, Spruchdichter, Meistersinger und Dramatiker

(Aus: Wikidata.org)

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