Schwank: die hasen fangen und braten den jeger

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Hans Sachs: Schwank: die hasen fangen und braten den jeger (1550)

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Eins morgens gieng ich durch ein walt,
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es het geschneit und war grim kalt;
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neben der straßen hört ich vispern,
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etwas hinder eim gstreuß laut zispern;
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ich guckt hindurch, sach, das da sasen
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etwas in die zweihundert hasen,
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heten sam da iren reichstag.
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ein alter has erzelt die klag
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über ein gar uralten jeger,
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der sie teglich in irem leger
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überfiel mit lauschen und hetzen,
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mit gschoß, falken, hunden und netzen,
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darmit sie vilfaltig verstricket
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und sie on alle barmung knicket,
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darnach er sie denn schunt und brit,
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ir etlich gar zu stücken schnit,
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und bickt sie ein zu eim fürheß,
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nachdem mit zenen zriß und freß;
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das müstens leiden und ir kinder
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und würden ir ie lenger minder,
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wiewol sie teglich junge trügen
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und die ausheckten und aufzügen,
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und wo die leng sie noch da blieben,
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würdens all von im aufgeriben;
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derhalb wer not, das sie allsant
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dem jeger teten widerstant,
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wenn er zu nechst mit seim weidwerk
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widerumb züg auf disen berk,
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das sie im soltn mit gmeinem haufen
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in einem sturm entgegen laufen,
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grad zu auf in, on alle krümb,
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den alten jeger stoßen ümb,
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in denn mit sein hetzstricken binden,
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dergleich seine leithund und winden.
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wenn sie denn also wern gefangen,
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als übel, vor an in begangen,
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möcht man volkömlich an in rechen.
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darzu waren all hasen sprechen,
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sie wolten ir belg all dran wagen
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und stracks nachkommen seim ansagen,
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ob sie möchten den jeger fellen.
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in dem hört ich ein horen schellen
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und auch jauchzen der hunde haufen;
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anfiengen die hasen zu laufen
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hinab gen tal dem jeger zu;
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ich stunt ein weil, und in eim nu
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kamen die hasen in ir leger
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und brachten mit den alten jeger,
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mit weidstricken gfangen und bunden,
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mit all sein winden und leithunden,
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sein spieß und weidmeßer sie trugen,
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den jeger an eim strick aufzugen
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an eim baum zu der strengen frag,
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wie vil er hasen all sein tag
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het umbbracht mit seinem weidwerk
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alhie an dem waldigen berk.
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da bekent er auf drithalb hundert,
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ieden mit namen ausgesundert.
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mit fleiß beschribens sein urgicht;
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nach dem saßen sie zu gericht,
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teten sein jegerhoren schellen
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und über in ein urteil fellen,
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das man zu straf umb sein untaten
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in solt an einem spieße braten,
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wie er den hasen auch het tan,
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wo ers gfenglich het kummen an.
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auch feltens ein urteil den hunden,
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das sie all solten werden gschunden,
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zerhauen und gesalzen ein
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und darnach aufgehangen sein.
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nach dem schürtens ein großes feuer,
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namen den jeger ungeheuer
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und bunden in an ein bratspieß;
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der einen tiefen seufzen ließ
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und sprach: erst ich erkennen kan,
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das ich im hab zu vil getan,
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drumb gschicht mir iezt auch nit unrecht;
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ich hab euch gar zu hart durchecht
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on schult wider all billichkeit,
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wan ich gedacht zu jener zeit,
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ich wolt euch drucken, wie ich wolt,
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das ir mich allzeit fliehen solt
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nach aller hasn natur und art;
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iezt, so ir haltet widerpart
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und ir mein meister worden seit,
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erkenn ich erst mein groß torheit.
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nach dem die hasen ungeheuer
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teten den jeger zu dem feuer
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und dreten in umb an dem spieß;
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mannichen lauten schrei er ließ,
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zu helfen ich im oft gedacht,
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doch sorg und forcht mich darvon bracht,
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das sie mir nicht gleich wie im taten,
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ließ gleich den alten jeger braten,
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all hund erschlagen, darnach schinden,
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in stück zerhauen; ich stunt hinden,
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sach, wies ein teil einsalzten auch,
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darnach aufhiengen in den rauch,
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eins teils sie in eim keßel suden,
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all wölf und füchs sie darzu luden,
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mit in zu halten das frümal.
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nach dem gieng ich mein straß zu tal
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und gedacht mir bei der geschicht:
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war ist es, wie Seneca spricht:
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welch herr treibet groß tyrannei,
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macht vil aufsetz und schinderei,
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meint zu drucken sein underton,
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auf das sie fürchten sein person,
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derselb muß ir auch förchten vil;
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wenn ers gar übermachen wil,
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wirt es etwan mit ungstüm grochen,
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und hart gespanter bogen brochen,
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wie keiser Julio geschach,
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auch andern mer vor und hernach;
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wer aber senftmütig regiert,
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von den seinen geliebet wirt,
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tun im freiwillig alles gut
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und setzen zu im leib und blut,
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darmit sein reich grün, blü und wachs.
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senftmut bringt gut, so spricht Hans Sachs.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Hans Sachs
(14941576)

* 14.11.1494 in Nürnberg, † 29.01.1576 in Nürnberg

männlich, geb. Sachs

Nürnberger Schuhmacher, Spruchdichter, Meistersinger und Dramatiker

(Aus: Wikidata.org)

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