Erneue deinen Segen heut', o Herr, und steige

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Friedrich (Maler Müller) Müller: Erneue deinen Segen heut', o Herr, und steige Titel entspricht 1. Vers(1787)

1
Erneue deinen Segen heut', o Herr, und steige
2
In diesem Augenblick im Geiste nieder
3
Zu uns als sel'ges Kind, damit geboren wieder
4
Zu dir das Herz durch dich sich rein und kindlich neige!
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Schenk' deinen Frieden voll der Welt! Es weiche
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Die Zwietracht ganz, damit nur zarte Lieder
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Der frohen Eintracht mit der Unschuld Lallen
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Von frommen Lippen mögen inniglich erschallen!

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So weit der Ocean die Erd' umschließt, erheben
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Voll Andacht Stimmen sich in dieser Stunde,
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Zu feiern, Herr, dein Fest. Aus jedem Christenmunde
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Strebt lauter Jubel auf, dich in dem Erdenleben
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Zu grüßen neu; doch darf dir, treu ergeben
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Vor jedem Welttheil, fest im Glaubensbunde,
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Dich, Heiland uns'rer Welt, Europa preisen
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Als hohem Mittler dir den reinsten Dienst erweisen.

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Drum lenke deine Blicke, Herr, auch voller Gnade
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Auf ihre Reiche, und will's dir gefallen,
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Auf unser deutsches Vaterland hierbei vor allen;
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Verbinde du den Sinn, nach deinem heil'gen Rathe,
21
Von seinen Söhnen, daß im rechten Pfade
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Der Einigkeit sie sicher wallen,
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Als Brüder, jeder treu den andern achtend,
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Als Glied von einem Leibe jeder sich betrachtend!

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Damit der Feinde List (zu uns'rer Schmach und Schande
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Gelang's zu oft ihr) möge nicht berücken
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Den deutschen Mut durch Zwietracht, leichter so zu drücken
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Das Joch auf unsern Nacken, schwere Sclavenbande
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An unsern Arm; im eignen Vaterlande
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Unthätig fesselnd ihn uns auf den Rücken;
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Noch daß zu fremdem Vortheil Deutsche tragen
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Die Waffen gegen Brüder, für den Feind sich schlagen.

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Erhelle ihren Geist, damit sie klarer schauen,
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Daß Einigkeit und Brudersinn vor Ketten
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Der fremden Tirannei nur sie vermög' zu retten;
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Wenn treu und brüderlich sie aufeinander bauen,
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Die Hand sich reichen, fest in Nöten trauen
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Dem eig'nen Mut; im Schlachtfeld lieber betten
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Auf blut'ger Erde sich, als feig zu sparen
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Das Leben ehrlos, um als Sclav es zu bewahren!

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Lenk' unsrer Fürsten Sinn, damit sie treu die Pflichten,
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Die liegen ihnen ob, als Väter üben
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Das treue Volk durch keinen Uebermut betrüben,
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Und aufschau'n, daß getreu auch ihren Dienst verrichten
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Die, welchen sie das Amt, das Volk zu richten,
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Vertrauet an, wie im Gesetz geschrieben;
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Damit sie so ein rühmlich Beispiel geben,
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In sich dem Volke, wie gerecht der Mensch soll leben.

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Zuletzt gieb uns, o Herr, daß unser Volk erkenne
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Lebendig seinen Wert, und sich nicht schätzen
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Nach andrer Anschlag soll; als Sclaven fremder Götzen
52
Verstümm'le seine Zung'! Hinweg! das Glied, es trenne
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Von uns sich, daß mein Lied es hier nicht nenne,
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Gilt mehr als Männerwort ihm fremd Geschwätze!
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Ach, laß uns achten stets das Schöne und das Rechte
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An fremden Völkern, – doch als Freie, nicht als Knechte!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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