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Erwacht war König Geltar auf seiner Lagerstatt kaum,
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So wendet er hastig den Blick nach allen Seiten,
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Ihn hatte gefoltert so eben ein unheilschwangrer Traum,
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Sein zornerhizter Sinn zeigt ihm darin von Weiten
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Ein scheußlich Drachenbild, deß Antlitz und deß Haar
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Rhin, dem Verwegenen, vollkommen ähnlich war.
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Er kniete vor Luitberta, hätt' in die Harfe gesungen,
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So lieblich, als sey gelandet er aus der Meerfrauenschaar.
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In Geltars Busen hätt' er den tobenden Zorn schon bezwungen,
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Doch auf einmal, bevor man noch gewahrt Gefahr,
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Fast räubrisch sie der Drach, hält mit dem Schweif sie umschlungen
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Vor seinen Augen zu entführen sie,
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Indeß die Hände ringend, Luitberta um Beystand schrie.
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Wie schnell nun er hingeeilt, mit dem Ungeheuer gerungen,
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Dicht vor der Höhle, wohin es mit dem Raube sich wand,
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Daß blutig der Schweiß ihm entfloß. – Doch ob sie zu erretten
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Gelungen ihm sey im Traum, im Zweifel noch stand.
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Ihm schien als halte fest ihn eine Riesenhand,
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Gefesselt war seine Kraft mit unsichtbaren Ketten –
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Da wird sein Auge wach, erblickt den Leichenthron – –
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Er springt lautschreiend auf! – So eben war getreten
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Auf das Geräusch nun näher der Oberkämmerer schon,
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Den fasset er ergrimmt im Taumel seiner Sinnen;
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Er hält ihn vor den Räuber. – »Verruchter Unheilssohn!
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Halt ich dich endlich fest? Der Hölle bittersten Lohn
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Magst du, rief knirschend er, für deine Unthat gewinnen.«
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Der Kämmrer war verloren, eilt' auf sein Angstgeschrey
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Nicht Böses ahnend, schnell die Dienerschaft herbey;
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Doch mit dem Leben kaum, gelangs ihm zu entkommen.
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Die Großen und Weisen des Hofs vereinten sich nun im Kreis
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Um ihren kranken Herrn, beflissen zur Ruh ihn zu bringen;
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Doch ward bey diesem Geschäft den wackern Männern heiß;
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Er achtete vor nichts ihren Zuspruch, ihren Fleiß
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Ihn zu beruhigen; es wollte keinem gelingen.
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»verräther, die ihr mich umgebt, mit meinen Feinden vereinet,
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Verweigernd mir die Tochter, mir schändlich sich verneinend,
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Rief Geltar mit stärkerm Grimme, ich will euch bald bezwingen –
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Saht ihr nicht selbst des Meuchlers falsche Schlingen?
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Und hörtet von seiner Zunge den Unheil bringenden Schall?
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Den Pfeil meiner Rache sollt ihr fühlen, all' ihr Elende!
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Ein gleicher bittrer Tod soll euch ergreifen all',
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Wenn meines Herzens Kleinod ihr nicht herbeyschaft behende.
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Und müsste ich zu ihr hin durchbrechen von Speeren einen Wall,
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Und müsst ich zu ihr reiten bis hin an der Welt Ende,
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Ich wag es, bey meiner Krone! Zeigt an die Höhle mir gleich,
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Wo sie der Räuber verwahrt. Mein ganzes Königreich
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Setz ich daran. – Doch – seyd ihr feig,
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Seyd ihr von Stein, daß alles hier um mich schweiget? –
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Mein Leben, ich schwör' es hoch, setz ich sogleich daran,
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Hier schlägt ein Vaterherz – – und laut schluchzt der gebeugte Mann –
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Die Tochter gebt mir zurück, bevor ihr Rosenmund erbleichet,
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Des Athems warmer Hauch der Lilienbrust entweichet.
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Von Mitleid tief gerührt, winkt stumm der edle Kreis,
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Das rechte Trosteswort weiß keiner schnell zu finden;
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Auf mancher Stirn steht der schwersten Sorge Schweiß –
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Nur Harold Wallmuth wagts, ein frommer alter Greis,
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Durch sanfter Rede Sinn des Königs Zorn zu binden.
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Fromm mahnt er ihn, wie jede Schickung man zum Preis
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Des Höchsten und zum Wohl der Menschen wenden müsse;
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Denn zu durchschaun der Vorsicht Weisheitschlüsse
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Sey Menschenaug' zu schwach; – auch ich war, fuhr er fort
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Mit Seufzen, Vater einst; zwey edle, tapfre Söhne
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Erfreuten meinen Blick – Verzeiht, wenn eine Thräne
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Aus meinem Auge bricht bey diesem Schmerzenswort –
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Verrath hat sie gefällt – nah bey dem Erlenbache,
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Wie Euch und Welt bekannt. Die Thäter bargen sich
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Ins Rheinthals dunkeln Wald. Den Aufenthalt wusst' ich;
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Leicht wärs gewesen mir, zu sätt'gen meine Rache
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An ihrem Blut. Doch nein! Ich überließ es Gott,
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Dem höchsten Richter, ganz. Und ob mich gleich der Spott
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Der Welt oft traf darum, hat dennoch nie erreget
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Der Entschluß Reue mir. Ich hielt ihn fest. – Beweget
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Fühlt bey des Greises Stimme der König tief die Brust,
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Beklommen schreitet er, wohl selber unbewusst
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Wohin? schnell durch des Schlosses weite Hallen,
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Voll Sorge folget ihm das Häuflein von Vasallen,
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Zum nahen Hügel hin. Hier steht von allem Troste baar
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Der gramgebeugte Greis. Er schaut umher, da stellen
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Eilf Jünglinge sich dar,
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Gesammt all' wackre Streit- und muntre Jagd-Gesellen
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Des bannbelegten Rhins; sie führen wohl mit sich
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Des Königs Silberhorn, den Speer des Dieterich,
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Des Kronmarschalls, des Kanzlers blankgeschliffnen Degen,
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Sammt goldbeschlagnem Schild, die jüngst erbeutet Rhin,
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Als man umrungen ihn. Die Waffen alle legen,
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Gebeugt in stummen Leid, zu Geltars Füßen sie hin:
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Den ihr geächtet, Herr, verfolgt auf jedem Tritte,
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Schickt dieß voll Demuth Euch, mit seiner lezten Bitte,
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Daß ihr ihm verzeihet im Tode! Erblichen ist
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Der Lebensmüde jezt. – »Sprecht ihr mit Hinterlist?«
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Ruft Geltar laut, und bebt zurück zween Schritte
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Bey dieser Trauerpost. Gesteht die Wahrheit ein!
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Der Drache Rhin, den ich zerschlug mit schwerem Stein,
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Der ist nicht mehr? Zeigt an das wilde Haupt, die Krallen,
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Die scharfen Zähne! Zeigt an wie meuchelnd er gefallen.
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Gern mag mans wissen doch.« – Herr, euer Zorn allein,
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Und eures Kindes Tod gebahr'n ihm diesen Kummer;
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Er aß und trank nicht mehr, bis er in Seelenpein
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Und finsterm Gram verschied, am Fels im Birkenhain.
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Sein lezter Seufzer war, zu fleh'n euch, daß im Schlummer
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Des Todes ihr gewährt ein Wenig Erde ihm nur,
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Zu decken seinen Leib – mit ihm zugleich die Spur
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Von seinem Daseyn. Hört die Bitte! denn wir haben
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Ihm heilig zugesagt, zu tragen euch sie vor.
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Nicht unbarmherzig verschließt, Herr König, euer Ohr;
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Vergönnt, daß in der Still, den Leichnam wir begraben,
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Damit zerhacken ihn nicht die Schnäbel scheuer Raben.
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»begraben? Mich? ruft Geltar zornig aus,
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Mich, der mit einem Schlage gelähmt ihm beyde Flügel,
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Daß vor der Sonne, vor des Mondes trübem Spiegel,
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An seiner Höhl er liegt, gestrecket hin mit Graus.
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Frisch auf!« – Ins Silberhorn stößt er, daß fern vom Hügel
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Es dreymal wiederhallt. Doch da er stets voraus
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Mit Wahnsinnsjubeln dringt, gewahrt er, wie von Weitem
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In langem weißen Zuge die Jungfraun herwärts schreiten,
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Vom Leichenfest zurück, dem Hügel näher zu.
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Entfernt lag weit der Ort, wo sie gebracht zur Ruh
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Luitbertens holden Leib. Der Anblick schreckt ihn nieder,
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Ein Todesschauer bebt durch alle seine Glieder,
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Sein heller Sinn erwacht, doch auch in gleichem Nu,
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Der wilde Gram um den Verlust der Tochter wieder.
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»ich weiß, woher ihr kommt, ruft seufzend Geltar jezt
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Dem Trauerzuge zu. Ich werde nicht mehr schauen
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Die Lieblichste. Ihr habt – muß ich dem Anblick trauen,
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Der Erde schon – gesteht's! – die Theure beygesezt.« –
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Ja, armer Vater, ja! von Mitleidsthau benezt
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Ruht eurer Tochter Leib; hoch in des Himmels Auen
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Ergeht nun wonnevoll in lichter Englein Schaar
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Sich ihre reine Seel', vor Gottes Augen klar.
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Nun störet nicht, o Herr, durch euern Gram hienieden,
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Den süßesten Genuß von ihrem Himmelsfrieden.
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»sie ruhe sanft, schluchzt hier, und starret vor sich hin,
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Der greise Vater; Ach! für mich ist Alles nun entschieden
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Auf immer!« – Zähren thaun auf sein bereiftes Kinn;
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Bang blickt er um sich her, es schweben
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Die Bilder der Vergangenheit um seinen trüben Sinn:
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Wie glücklich einst, in frischem Ingendleben
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Sein Busen schlug, als Vater, als Gemahl,
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Vom Kreis der Kinder samt der Mutter froh umgeben –
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Und jezt so ganz verwaist! – »Hätte ich doch können heben,
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Seufzt er bey sich, so leicht Rhin in der Fürsten Zahl,
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Mit einem Wort ihn retten, mir erhalten
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Die Tochter, und durch sie noch einen tapfern Sohn
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Gewinnen mögen. O daß ich in Thun und Schalten
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So rasch noch immer bin! Jezt ernte ich zum Lohn
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Der Feinde Spott.« – Voll Zorn schlägt er an seine Stirne und wendet
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Zu Rhins Gefährten sich: »Hat einer von euch mir
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Die Nachricht nicht gebracht, als habe Rhin geendet
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Den Lebenskampf?« – Ja, Herr, er starb nicht weit von hier,
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Verzehrt von bitterm Gram, erwiedern diese, wir
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Berichteten euch dieß. Nehmt, Herr! den Bann, den herben,
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Im Tode von ihm ab, erlöst ihn aus der Acht!
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Er hatte lebensmüd' in der vergangnen Nacht
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Gefordert mit dem Horn, um sichrer zu erwerben
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Verzeihung, dreymal euch, zur scharfen Rache-Schlacht;
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Freywillig wollte er von euren Händen sterben.
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Auf des Baches moosigem Fels sein schöner Leib jezt ruht,
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Die gold'nen Locken küsst die vorübereilende Fluth.
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Vergönnt, daß wir den Leichnam still begraben,
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Damit zerhacken ihn nicht die Schnäbel scheuer Raben.