12. Der Schwur des Bundes

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Friedrich (Maler Müller) Müller: 12. Der Schwur des Bundes (1787)

1
Der Tempel winkt zur heil'gen Bundesfeier
2
Auf dem Altare flammtgeweihtes Licht.
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Es webt die Nacht geheimnißvoll den Schleier,
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Erwartung glüh't auf jedem Angesicht;
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Es tönen ernst die Saiten goldner Leier,
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Die ahndungsvoll zu dem Gefühle spricht:
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»und was der Geist im Herzen kann ergründen
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Soll jetzt der Mund dem Bunde laut verkünden.«

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Hoch strebt der Wunsch; im rauschenden Gewühle
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Des Lebens hat nie echtes Glück geblüht,
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Stumm flieht die Zeit nach ihrem ew'gen Ziele,
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Schnell ist der Jugend goldner Traum verglüh't;
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Dem aus dem Herzen nicht das Leben sprüht;
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Doch ein Gesetz lebt für des Busen Triebe.
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Auf! Huldigt ihm, schwör't

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In ewiger junger Frühlingspracht verkündet
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Sich laut und rein des Welt-Alls Harmonie,
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Den Sternkreis, wie das Menschenherz, umwindet
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Die Liebe mit dem Band der Sympathie,
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Was lebt und blüht, im Zeitenstrom verschwindet,
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Nur was die Liebe heiligt, altet nie;
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Nur sie strahlt Licht des Lebens Labyrinthen,
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Drum lerne früh dein Herz im fremden finden.

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Was hellet uns der Zukunft düstre Träume,
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Was hat den Muth der Kämpfenden gestählt?
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Fest blickt
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Das Herz hat sich Unsterblichkeit gewählt,
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Der
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Dem Guten wird das
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Und was die Liebe zauberisch verbunden,
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Wird treu und wahr durch Ewigkeit erfunden.

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Dem schönsten Glück schlägt schnell die Trenungsstunde,
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In Nacht verlischt der Freude Zauberschein;
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Was gibt dem Herzen aus der Ferne Kunde
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Zum Siegel für den heiligen Verein?
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Die Hoffnung flößt mit ihrem Rosenmunde
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Dem Sehnenden den süßen Nectar ein:
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Sie reicht dem Sinkenden die Strahlen-Rechte,
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Und flammet Morgenroth durch Grabes-Nächte.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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