7. Nach Hahns Abschied

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Friedrich (Maler Müller) Müller: 7. Nach Hahns Abschied (1787)

1
Ach sie singet, die brünstige Finke,
2
Breitet den zarten Flügel übers vollendete Nestchen,
3
Zwitschert, und schlummert zum erstenmal wonniglich ein.

4
Und du, mein Freund, ferne! ferne!
5
Schüttle den Thau, wehender Nachthauch! ich schaure!
6
Schüttl', ach schüttl' ihn mir,
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Das ich senke diese reisende
8
Dem Herzen entquellende Zähre
9
Auf der Viole ... Hat ers gehört?
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O des Zärtlichen! er hats gehört!
11
Murmelt und schüttelt – – Meine Thräne
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Gleitet sachte die Wang' herab!

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Ach kein Mädchen! kein Freund!
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Kein Zärtliches, Zärtlicher ach!
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Der ich sie breche,
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Dem ich sie gebe,
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Diese dir thränenbethaute Viole!

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Und so muß sie einsam welken,
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So geschmückt mit meiner Wehmut
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Sterben, unbetrauret, ungeliebet, ach!

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Mag sie doch – sinken, liegen, im Winde verstieben!
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Meine Wehmut mit ihr!
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Bist du doch glücklich, Geliebter!
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Geliebt am Herzen derer, die meine Seele liebt!

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Ha! dieß wilde, pochende,
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Dieß unaufhaltsamfliegende,
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Dieß ängstlichtragende, mitfühlende Herz!
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Das, unglückselig ewig,
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Barbarisch immer aufnimmt und trägt!
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Wie's drängt! wie's tobt! dir vorwärts nacheilt,
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Und mich peinigt und quält,
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Und meine Sinnen zerrüttet,
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Und mir die Nerven zerreißt!

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Wachst zu Einem Freund', ihr Freunde!
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Ach Seligkeit des Himmels
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Träufelt nieder dem,
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Der des Geliebten Busen umschlingt!
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O ich weine, da du, Trunkner,
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Da du, Seliger,
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An Leopold Stolbergs Busen dich knüpfst!

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Genieße! und gedenke meiner!
42
Ha! gedenke meiner, wenn du thränenschauernd
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Unter der Liebe Fülle versinkst,
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Und du am Herzen liegest dem –
45
O wie soll ich ihn nennen!
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Vater! Freund! Vater!
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Klopstock! Klopstock! Ihm!

48
Wenn du an ihm hängst,
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Und herzerdrückend und malmend
50
Ueber dir die Wonne liegt,
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O dann reisse dich auf, athm' und schaure,
52
Und gedenke deines Einsamen hier;
53
Und, indem du noch einmal
54
Die geliebte Stirn drückst,
55
Gedenke deines Einsamen hier,
56
Und wehmüthig und leise so:

57
Der, der jetzt noch um mich klaget
58
Schmachtend den Frühling verseufzt,
59
O des einsamen Jünglings!
60
Er liebt dich ewig, wie ich!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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