Mich senget dürrer Durst! Füll', Knabe

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Friedrich (Maler Müller) Müller: Mich senget dürrer Durst! Füll', Knabe Titel entspricht 1. Vers(1787)

1
Mich senget dürrer Durst! Füll', Knabe,
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Den goldnen Becher hier.
3
Ha! Lieblich teilst du, Evan, deine Gabe;
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Wie bist du Freudenvater mir!

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Füll' wieder! Wonnequell! Geschenke
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Der Götter! Süßer Wein!
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Ein jeder Tropfen, seliges Getränke
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Von dir, schließt einen Himmel ein.

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Wo irr' ich? – Evan! – In Corycens Grotte
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Umtanzen die Bacchiden mich.
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Begeistert, heilig, tauml' ich voll vom Gotte;
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Die schöne Sonne hüpft um mich –

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Hüpft' fröhlich auf, es fliehen meine Sinnen
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Und meine Seele schwimmt in Glanz,
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Mein sträubend Haar durchbebt Glut der Bacchantinnen –
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Ich seh', ich seh' dich Vater ganz,

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Wie kindlich du im lichten Maientraume
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Einst unter goldnem Nymphenchor
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Gebunden lagst von Reben an dem Baume
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Und schnell die Traube wuchs hervor:

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Und Nysa ließ in goldne Schalen träufeln
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Der freudenschwangern Beere Saft,
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Voll Lust auf dich nun staunt und länger nicht will Zweifeln:
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Du seist ein Gott der Kraft.

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Geheiligt durch den Wein, der Aug' und Lippen
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Bald angeflammt, sieht sie nun den Silen,
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Zehntausend Thyrsusträger, hoch auf Wolkenklippen
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Die Götter um dich stehn.

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Prophetisch dann, mit hingestorbnen Blicken
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Und seelenvollem Haar,
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Heult sie herab voll dithyrambischen Entzücken:
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O heilig! heilig! Bromius gebar,

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O Evan! Stolzer Evan, Jacche!
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Aus Zeus Umarmung, eingehüllt
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Vom roten Blitz, an Dyrcens Quell dich, Bacche,
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Des mächt'gen Vaters Ebenbild,

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Der goldnen Schlangen Tochter Semele! Die Götter,
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Sie prunken vom Olymp den Tag,
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Neunmal umleuchtet Zeus in einem Donnerwetter
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Den Erdball, der in trunknem Schlummer lag.

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Dem Jubel neigt die Erde ihre Ohren,
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Daß Sonne, Mond und Himmel singt
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Vom stolzen Knaben, der kaum neu geboren
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Schon unter Rebenlauben springt.

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Froh hören's die Gestirne, die da glänzen
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Im Himmelsmeer; da dreht
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In mystisch heilig labyrinth'schen Tänzen
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Sich jeder taumelnde Planet.

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Da taumeln Wälder, finstre Grotten hüpfen!
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Heil' dir! Heut küsset dich die Lust,
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O Welt, zum ersten Mal! Verjünget mußt du hüpfen:
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Der Freudenschöpfer ruht an deiner Brust.

53
Und heilige Gebirge zauchzen, springen
54
Vom Hymnus: Heil dir, Tag
55
Des Taumels! und hundertzüngig singen:
56
Heil dir! die Täler nach!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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