1. Der 6. Psalm

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Paul Fleming: 1. Der 6. Psalm (1624)

1
Ach schone, großer Herr, ach schone mich zu strafen,
2
wenn deine Huld und Gunst bei dir ist ganz entschlafen,
3
und du für Zorne brennst! Herr, züchtige mich nicht,
4
wenn dir die Grimmesglut aus Mund und Augen bricht,
5
die niemand tragen kan! Umb so viel mehr laß blicken
6
dein Gnadenangesicht, indem mich unterdrücken
7
viel tausent Schmerz und Angst! Herr, heile, heile mich,
8
weil ich voll Schwachheit bin! O Arzt, erweise dich!
9
Die Seele zittert mir. Ach Herr, ach Herr, wie lange?
10
Das Mark verschwindet aus, das Reißen macht mir bange,
11
das meine Beine kreischt. Herr, wende dich einmal,
12
und hilf mir, so du wilst, aus dieser Seelenqual!
13
Wer wird dir, wenn du mich nun wirst getötet haben,
14
für deine Hülf' und Treu' erlegen solche Gaben,
15
wie ich bißher getan? wer wil dir danken doch
16
und denken deiner Ehr' in jenem finstern Loch,
17
in welches du mich wirfst? Das herzenswehe Seufzen
18
macht mich so laß und matt, daß ich auch kaum kan geufzen.
19
Der Angstschweiß schwemmet mir durch manche ganze Nacht
20
mein müdes Lager aus. Das Qual der Thränen macht
21
mein Bett' als eine Bach. Wo ist mein' erste Blüte,
22
da ich so schöne war, das freudige Gemüte?
23
Die Augen dunkeln mich, die ausgefleischte Haut
24
wird schlaff und runzelt sich, daß mir selbst für mir graut.
25
Ich bin bei Leben tot. Man drängt mich vorn und hinden.
26
Hier ädert mich dein Grimm, den ich durch meine Sünden
27
gehäufet hab' auf mich, dort ängstet mich ein Man
28
(ach wär' es Einer nur!), dem ich kein Leid getan.
29
Weg, ihr verruchtes Volk, ihr Übeltäter, weichet!
30
Mein Jammerseufzen hat die blaue Burg erreichet
31
und ihren Prinz bewegt zu müssen gnädig sein.
32
Das Wetter ist vorbei, nun hab' ich Sonnenschein;
33
mein Flehen ist erhört, ich habe Gott zum Freunde.
34
Wie ist euch nun zu Mut, ihr schlangenarge Feinde?
35
Erschrecken müsset ihr für meinem Gott und mir
36
und plötzlich kehren umb mit Schanden für und für.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.