Robin Hood

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Theodor Fontane: Robin Hood (1852)

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Liebe Herrn, horcht auf und habt mal Geduld,
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Und lauf mir keiner davon –
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Ich will euch erzählen von Robin Hood,
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Und vielleicht auch von Little John.

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Zu Locksly, im lustigen Nottinghamshire,
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Beginn' ich mit meiner Geschicht',
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Da bracht' Robins Mutter den Robin zur Welt,
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Und das andre – das weiß ich nicht.

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Das aber weiß ich und hört' es oft:
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Sein Vater war Förster allda,
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Er traf ins Schwarze, auf tausend Schritt,
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Und das ist just nicht nah.

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Mit Adam Bell und Will Cloudesly
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Schoß er oftmals um die Wett',
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Die mußten ihm zahlen vierzig Mark
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In Gold und auf ein Brett.

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Robins Mutter, die war John Gamwels Kind,
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Der 'nen Wolf mit der Hand erwürgt
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(zu Coventry der Ochsenwirt
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Hat mir's hundertmal verbürgt).

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Und ihr Bruder hieß Gamwel von Gamwel-Hall,
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Und sein altes Herz war frisch-
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Das weißeste Brot in Nottinghamshire,
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Das kam auf seinen Tisch. –

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Und sieh, Jung-Robin wuchs heran,
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Zählte zwanzig Jahre bald,
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Er hatte Vater und Mutter lieb,
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Doch noch lieber den Sherwood-Wald.

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Robins Mutter aber zum Vater sprach:
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»mein Liebster, der du bist,
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Gern ritt' ich heute gen Gamwel-Hall
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Und feierte heiligen Christ;

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Ich hab' eine Lust, in Keller und Küch'
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So recht zur Hand zu gehn;
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Auch hab' ich den lieben Bruder mein
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Seit Pfingsten nicht gesehn.«

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Vater Robin drauf: »Lieb' Hanna, gewiß,
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Meinen Braunen geb' ich gern,
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Nur nimm mir unsren Robin mit
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Und zeig' ihn dem alten Herrn;

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Und grüß den Alten und küsse dazu
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Die Kinder groß und klein,
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Und wenn ihr alle recht lustig seid,
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Lieb' Hanna, so denke mein.«

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Er sprach's. Alsbald der Braune kam,
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Gestriegelt und aufgestutzt!
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Nur Robins Mutter und Robin selbst,
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Die waren noch mehr geputzt.

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Jung-Robin trug eine blaue Kapp'
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Und ein Schwert an seiner Seit',
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Und die Mutter gar, die bauschte daher
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Im Vierzigfaltenkleid.

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Es war ein selbstgesponnenes Stück,
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Und sie wußte sich was darin,
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Und sie sah beinah so stattlich aus
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Wie zu London die Königin.

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Jung-Robin schwang in den Sattel sich,
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Seine Mutter kletterte nach,
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Sie sah den Braunen ängstlich an,
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Vater Robin aber sprach:

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»lieb' Hanna, laß, ich kenne sein Kreuz,
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Zwei Reiter ist ihm Spiel,
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Er trug schon sieben Scheffel Korn,
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Und die wiegen doppelt so viel.«

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Er sprach's. Jung-Robin ritt im Schritt
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Bis dicht an das Stadttor hin –
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Das Händeschütteln nahm kein End'
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Von Nachbar und Nachbarin.

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Nun aber ging's auf den Braunen los
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Zugleich mit Peitsch' und Sporn,
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Und Robin rief: »He, lauf einmal
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Und verdiene dein Weihnachtskorn.«

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Sie kamen an. Das ganze Haus
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Geriet wie außer sich,
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Der Alte rief in einem fort:
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»lieb' Schwester, wie freue ich mich!«

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Am andern Morgen ging's zur Mess',
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Dann aber ging's wieder nach Haus,
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Sechs Tische standen da, wohlgedeckt,
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Drauf dampfte der Weihnachtsschmaus.

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Jede Tafel trug eine braune Gans,
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Mit saftigen Äpfeln gefüllt,
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Daneben Wildpret mit Schinken zumal,
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In Eierteig gehüllt.

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Sechs Lichter brannten; der Pfarrer vom Dorf
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Sprach den Segen kurz und fromm-
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Dann aber rief Squire Gamwel selbst:
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»lieben Gäste, Gott willkomm!

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Willkommen mir all in Gamwel-Hall,
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Und nun seht, was die Küche briet,
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Wer aber mein Märzbier trinken will,
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Der singe zuvor ein Lied.«

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Da sangen sie all (denn das Bier war gut)
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Aus voller Kehl' und Brust –
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Squire Gamwel schlug den Takt dazu
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Und weinte beinah vor Lust.

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Er rief: »Hört nur, wie draußen der Wind
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Den Regen ans Fenster schlägt,
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Das ist die Zeit, wo das Menschengemüt
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Einen Humpen mehr verträgt.

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Lieb' Hanna, hol uns den Stachelbeerwein,
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Er zählt schon manchen Tag,
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Und wirf mehr Holz noch in den Kamin,
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Daß es lustiger knistern mag.«

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Und sie brachte das Holz und sie brachte den Wein,
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Und sie tranken wacker davon,
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Und der Alte rief: »Nun kommt das Best',
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Nun hol' ich den Little John;

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Little John, das ist der flinkste Bursch
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Zehn Meilen in der Rund':
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Kopfstehn, Radschlagen und Gliederverdrehn,
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Das versteht er aus dem Grund.«

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Little John trat ein; Jung-Robin rief:
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»nun flinkester Bursch, komm her!
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Und springst du sieben Ellen weit,
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So spring' ich noch eine mehr.«

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Little John sprang sieben, Jung-Robin sprang acht,
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Auf Zollbreit hielt er Wort,
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Da rief der Alte: »So wahr ich leb',
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Ich lasse dich nicht mehr fort.

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Sei mir ein Sohn: wir haben hier auch
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Fangmesser, Bogen und Pfeil,
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Und mach' ich mal die Augen zu,
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So erbst du Kindesteil.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Theodor Fontane
(18191898)

* 30.12.1819 in Neuruppin, † 20.09.1898 in Berlin

männlich, geb. Fontane

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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