Sir Patrick Spens

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Theodor Fontane: Sir Patrick Spens (1852)

1
Der König sitzt in Dumferlin-Schloß,
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Er trinkt blutroten Wein:
3
»wer ist mein bester Segler?
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Er muß in See hinein!«

5
Sprach da ein schottischer Ritter
6
(er stand an des Königs Seit'):
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»der beste, das ist Sir Patrick
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Im Lande weit und breit.«

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Der König schrieb einen offenen Brief,
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Einen Brief mit eigner Hand –
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Sir Patrick schritt am Meere
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Hin über den knirschenden Sand.

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Er sah auf die erste Zeile
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Und lachte, als er sie sah,
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Er las die zweite Zeile,
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Nicht weiter las er da.

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Sein Auge stund in Tränen:
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»wem tat ich also weh,
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Zu schicken in dieser Sturmzeit
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Mich über die weiße See?

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Zu Schiff nun, liebe Mannen,
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Wir segeln vor Tagesschein!«
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Da sprach ein alter Matrose:
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»sir Patrick, das kann nicht sein.

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Ich hört' in meiner Koje
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Die Windsbraut, wie sie gelacht,
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Und der neue Mond hielt den alten
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Im Arme die letzte Nacht.«

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Es kam der nächste Morgen,
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Sie gingen all an Bord,
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Sir Patrick und die Seinen
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Und mancher schottische Lord.

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Im Winde flaggten die Wimpel,
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Hoch tanzten Schiff und Flut-
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Drei Tage, da schwamm auf dem Meere
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Nur noch ein bebänderter Hut.

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Nun sitzen viel schöne Frauen
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Mit ihren Fächern am Strand
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Und warten auf Sir Patrick,
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Und daß er steig' an Land.

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Alle tragen sie Kämme mit Goldschmuck
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Und blicken hinaus aufs Meer,
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Doch sie erharren keinen
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Und sehen keinen mehr.

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Fünfzig Faden tief und tiefer,
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Da pflegen sie all der Ruh:
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Sir Patrick und die Seinen
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Und die schottischen Lords dazu.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Theodor Fontane
(18191898)

* 30.12.1819 in Neuruppin, † 20.09.1898 in Berlin

männlich, geb. Fontane

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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