Jung-Walter

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Theodor Fontane: Jung-Walter (1855)

1
Um Weihnachten war's, der Wind blies kalt
2
Und die Tafelrunde begann,
3
Da kam an den Hof des Königs
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Manch schottischer Rittersmann.

5
Der König und die Königin
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Schauten nieder von ihrem Schloß:
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Da sahen sie kommen Jung-Walter,
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Jung-Walter hoch zu Roß.

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Seine Läufer liefen vor ihm her,
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Seine Reiter folgten ihm dicht,
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Und sein Mantel wie von Golde
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Blitzte im Sonnenlicht.

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Und von Golde waren die Decken,
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Und die Hufe von Silber hell,
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Und das Roß, auf dem Jung-Walter ritt,
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War wie der Wind so schnell.

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Da sprach ein tückischer Höfling,
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Der neben der Königin stand:
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»wer ist der schönste Ritter
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In Hoch- und Niederland?«

21
»ich habe gesehn viel Lords und Lairds,
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Manch schönen Ritters Gesicht,
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Einen schöneren als Jung-Walter
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Sah ich mein Lebtag nicht.«

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Das hörte der neidische König,
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Seine Wange verfärbte sich:
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»und wär' er zweimal schöner,
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Erst nennen mußtest du mich.«

29
»du bist kein Lord und du bist kein Laird,
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Du bist König über sie all',
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Da ist kein Ritter in Schottland,
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Der nicht wäre dein Vasall.«

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Die Königin sprach es bang und blaß,
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Der König ward blutrot; –
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Jung-Walter, daß so schön du bist,
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Das bringt dir nun den Tod.

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Sie haben ihn flugs ergriffen,
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Ihn sicher eingehegt,
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Sie haben Jung-Walter ergriffen
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Und ihn in Ketten gelegt.

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»oft bin ich geritten durch Stirling
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Bei Wetter und Regenguß,
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Nie bin ich geritten durch Stirling
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Mit Ketten an Hand und Fuß.

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Oft bin ich geritten durch Stirling
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Bei Regen und Windeswehn,
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Nie bin ich geritten durch Stirling,
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Um's nimmer wiederzusehn.«

49
Am Fuß des Hügels noch einmal
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Sah er Wappen und Helm und Schwert,
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Am Fuß des Hügels noch einmal
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Sah er Sattel und Zaum und Pferd.

53
Am Fuß des Hügels noch einmal
54
Sah er seine Lady schön –
55
Um das Wörtlein, das die Königin sprach,
56
Mußt' sie ihn sterben sehn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Theodor Fontane
(18191898)

* 30.12.1819 in Neuruppin, † 20.09.1898 in Berlin

männlich, geb. Fontane

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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